[24.05] Kundgebung der Lehrbeauftragteninitiative

// 25. Mai 2017 // Aktionen, Bildung, Gender, Kommunales, Soziales

Im Folgenden kann der von uns gehaltene Redebeitrag auf der Kundgebung der Lehrbeauftragteninitiative nachgelesen werden. Die Kundgebung war mit ca. 50 Teilnehmer*innen gut besucht. Wir hoffen, dass der nun begonnene Dialog zwischen der Initiative und dem Unipräsidium schnellstmöglich zu handfesten Ergebnissen führt.

Liebe Lehrbeauftragteninitiative, liebe Studierende, liebe Mitdemonstrierende,

warum solidarisiert sich die GRÜNE Jugend Göttingen mit der Lehrbeauftragteinitiative und ihrem Arbeitskampf?

Viele von uns sind Studierende, die Kurse am ZESS bzw. an der Philosophischen Fakultät belegen. Dies sind zwei Institutionen, die besonders viele Lehrbeauftragte beschäftigen. Diese sind unerlässlich für das breite Angebot, dass uns Studierenden gemacht wird und dies schätzen wir. Dafür wollen wir uns bei den Lehrbeauftragten bedanken. Wir wollen aber nicht, dass uns dieses Angebot nur deshalb gemacht werden kann, weil die Uni bei der Bezahlung spart. Unsere Möglichkeit privilegierte Bildungsangebote wahrzunehmen, soll nicht durch Ausbeutung ermöglicht werden. Die Bedingungen unter denen die Lehrbeauftragten hochwertige Lehre betreiben, Grenzen an moderner Sklaverei. Dies geht zweifelsfrei aus der Petition hervor, die hier heute der Universitätspräsidentin übergeben wird. Die Arbeitsbedingungen der Lehrbeauftragten schienen der Universitätsleitung bisher herzlich egal zu sein. Damit sich dies in Zukunft ändert stehen wir hier. Seit Jahren vertröstet man die Lehrbeauftragten, um dann immer wieder zu sagen, dass kein Geld vorhanden sei. So ganz mag man das nicht glauben, wenn man sieht das vor kurzem erst das LSG fertiggestellt wurde, die alte Mensa renoviert wurde und auch große Teile der Fakultät für Chemie saniert werden. Die Universität will mit aller Macht wieder Teil der Exzellenz-Initiative werden. Dafür tut man alles, was der Außenwirkung der Uni dient! Und hier kommen wir ins Spiel. Wenn wir Studierenden uns klar hinter die Lehrbeauftragten stellen und dies medial verbreiten, dann schadet dies der Außendarstellung der Universität und erhöht den Druck auf die Unileitung die Lehrbeauftragten nicht nur die vernünftig zu bezahlen, sondern auch das Konstrukt der Scheinselbstständigkeit aufzugeben!

Die Grüne Jugend besteht aber nicht nur aus Studierenden, sondern auch aus Schüler*innen und Schülern, sowie Auszubildenden. Auch für diese Menschen unserer Gruppe war und ist es wichtig sich mit den Lehrbeauftragten zu solidarisieren. Es geht nämlich auch darum als Gesellschaft zu zeigen, dass diese Ungerechtigkeiten nicht hingenommen werden können. Am Arbeitskampf der Lehrbeauftragten zeigt sich beispielhaft, dass die Privilegien einiger (hier die Privilegien der Studierenden) zum Teil nur Möglich sind, weil andere dafür unter prekärsten Umständen arbeiten bzw. arbeiten müssen. Solange es eine solche Schieflagen in unserer Gesellschaft gibt, wird es auch weiterhin soziale Missstände geben. Beenden wir diese Missstände nicht, wird sich unsere Gesellschaft weiter spalten. Dies müssen wir verhindern und hier sind wir als junge Generation gefordert, unabhängig davon ob wir studieren oder nicht!

Als Grüne Jugend sind wir aber auch Teil der Kommunalpolitik. Die Universität Göttingen ist das Aushängeschild dieser Stadt. Ohne die Universität wäre die Stadt praktisch tot. Prekäre Arbeitssituationen an der Uni, schaden nicht nur  dem Image der Uni, sondern auch dem Image der Stadt. Wir fordern deshalb die im Stadtrat vertretenen Parteien dazu auf sich ebenfalls mit den Lehrbeauftragten zu solidarisieren und politischen Druck auf die Uni auszuüben! Denn wir gehen davon aus, dass niemand mit einem Gerechtigkeitssinn, in einer Stadt leben möchte deren wichtigste Institution Teile seiner Mitarbeiter und Mitarbeiter*innen ausbeutet.

Dieser Konflikt hat für aber neben dieser allgemeinen Gerechtigkeitskomponente noch eine feministische Komponente. Die Mehrheit der Lehrbeauftragten sind Frauen*. Wieder einmal zeigt sich, dass gerade Berufe, die mehrheitlich von Frauen* ausgeübt werden, prekäre Arbeitsbedingungen aufweisen. Wer Geschlechtergerechtigkeit will, der bzw. die*, muss dafür sorgen, dass Menschen, die in Berufen arbeiten, die mehrheitlich von Frauen* ausgeübt werden, vernünftige Arbeitsbedingungen vorfinden. Im konkreten Fall heißt das für uns, dass die Uni schnellstens die Forderungen der Lehrbeauftragten zu erfüllen hat, ansonsten sind alle Bekenntnisse bezüglich Geschlechtergerechtigkeit Lippenbekenntnisse!

Danke für eure Aufmerksamkeit!

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