Alternative O-Phase 2015

// 8. Oktober 2015 // Aktionen, Anti-Atom, antifa, Antirassismus, Bildung, Kommunales, Öko, Soziales

Alt_oPhase_2015Bereits im vierten Jahr in Folge findet in Göttingen die Alternative O-Phase statt, die ein Alternativprogramm zu den in der „normalen“ O-Phase dominierenden Trinkspielen und Kleiderketten bieten soll. Organisiert von verschiedenen Stadt- und Unigruppen bietet sie zu Beginn des Wintersemesters 2015/16 ein buntes Programm unterschiedlicher Angebote für Studienanfänger*innen und alle anderen Interessierten. Ziel ist es, Göttingen nicht nur als Raum zum Lernen, sondern auch als Raum zum Leben kennenzulernen. In diesem Sinne: Kommt vorbei und habt eine schöne Zeit mit euch und uns – wir freuen uns auf Euch! Nieder mit den Umständen! Her mit dem schönen Leben!

Die GJ Göttingen hat sich mit insgesamt fünf Veranstaltungen – u.a. eine soziale Stadtführung und ein Gedenkstättenbesuch – zu unterschiedlichen Themengebieten an der Alternativen O-Phase beteiligt. Insgesamt nahmen über 100 Menschen an diesen Teil. Hier gibt es das gesamte Programm als PDF zum Download und hier geht es zur Facebook-Veranstaltung.

Unten findet ihr nähere Infos zu den Veranstaltungen der GJ Göttingen.

Termine:

  • 20.10., 17 Uhr, Stadthalle: Soziale Stadtführung mit der TagesSatz-Redakteurin Ute Kahle. Besuch der sozialen Institutionen Göttingens (Tafel etc).
  • 23.10., 20 Uhr, ZHG 002: AfD, ALFA und Co: Die Zukunft des parteipolitisch organisierten Rechtspopulismus in Deutschland. Ausblick, Vortrag und Diskussion mit dem Soziologen Andreas Kemper.
  • 24.10., 15 Uhr, Bahnhof: Exkursion zur KZ-Gedenkstätte Moringen mit Führung. Voranmeldung erwünscht an goettingen@gj-nds.de. Für Busfahrt und Führung bitte ca. 9 Euro mitbringen.
  • 25.10., 13 Uhr, 05-Fanraum: Fußballspiel: 1. SC Göttingen 05 vs TSV Hillerse – Besuch bei den antirassistischen Ultras. Für Studis mit dem Kultur-Ticket kostenlos, ansonsten 5,50 Euro oder 3,50 Euro.
  • 30.10., 16 Uhr, Autonomicum: Feministisches Drucken & Sprayen für FLIT* (FLIT* steht für Frauen, Lesben, Inter und Trans*Menschen)

indexFeministisches Drucken & Sprayen für FLIT*

Treffpunkt & Zeit: 30.10., 16 Uhr, Autonomicum. FLIT* steht für Frauen, Lesben, Inter und Trans*Menschen.

Dieser Workshop ist nur für Frauen*Lesben*Inter*Trans*-Menschen. Wir wollen mit euch kreativ werden und einen netten gemeinsamen Nachmittag mit guter Musik und tollen Gesprächen verbringen. Wenn ihr eigene Klamotten oder Taschen verschönern wollt, bringt sie einfach mit. Für sonstige Materialien wie Farbe, Spraydosen, Stoffreste und Motivvorlagen ist gesorgt. Wir treffen uns am Freitag, den 30.10 um 16 Uhr im Autonomicum.

 

Vergangene Veranstaltungen:

FCK AfD

Es haben rund 60 Besucher*innen an der Veranstaltung teilgenommen.

AfD, ALFA und Co: Die Zukunft des parteipolitisch organisierten Rechtspopulismus in Deutschland. Ausblick, Vortrag und Diskussion mit dem Soziologen Andreas Kemper.

23. Oktober | 20 Uhr | ZHG 002
Ausblick, Vortrag und Diskussion mit dem Soziologen Andreas Kemper

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Grünen Hochschulgruppe statt.

Totgesagte leben länger – die rechtspopulistische und asylfeindliche AfD befindet sich derzeit im Aufwind. Nach der Abspaltung des Lucke-Lagers im Juli bewegte die AfD sich in Meinungsumfragen lange Zeit konstant unter der 5-Prozenthürde. Jetzt reüssiert sie im Zuge der massiv ansteigenden Geflüchtetenzahlen und befeuert durch das Verbreiten von rassistischen Ressentiments die in vielen Gegenden Deutschlands herrschende Pogromstimmung.  In Erfurt mobilisierte die AfD einige Wochen in Folge jeweils mehrere Tausend Menschen und machte mit nationalistischen Parolen Stimmung. Björn Höcke, der bekannteste Rechtsausleger der AfD und Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag, rief der jubelnden Menge zu: „Erfurt ist schön deutsch und Erfurt soll schön deutsch bleiben!“ Nicht nur er träumt in der AfD von einer neuen deutschen Volksfront – in Zeiten, wo vielerorts Geflüchtetenheime brennen und rassistische Angriffe auf Menschen nicht selten sind.

Droht die AfD sich langfristig zu etablieren? Wird sie ein deutscher „Front National“ oder eine NPD 2.0? Wie sind die Aussichten auf die 2016 anstehenden Landtagswahlen und die Bundestagswahl 2017? Und vor allen Dingen: Wie kann oder muss ein Umgang mit der AfD zukünftig aussehen?

Diesen und anderen Fragen wird der Münsteraner Soziologe Andreas Kemper in seinem Vortrag nachgehen. Kemper befasst sich seit 2013 intensiv mit der AfD und ist u.a. Autor der von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebenen Expertise „Keimzelle der Nation? Familien- und geschlechterpolitische Positionen der AfD“ und der Analyse „Zur Differenz von Konservativismus und Faschismus am Beispiel der »historischen Mission« Björn Höckes (AfD)“ für die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Daneben forscht und publiziert er zu Klassismus und der antifeministischen Männerrechtsbewegung.

Entsprechend § 6 Abs. 1 VersG sind Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, von der Versammlung ausgeschlossen.

refugees_welcome_05Fußballspiel: 1. SC Göttingen 05 vs TSV Hillerse – Besuch bei den antirassistischen Ultras.

Treffpunkt & Zeit: 25.10., 13 Uhr, 05-Fanraum (Am Platz der Synagoge).  Für Studis mit dem Kultur-Ticket kostenlos, ansonsten 5,50 Euro oder 3,50 Euro.

Der Göttinger Fußball glänzt nicht durch seine Hochklassigkeit – schon eher durch das gesellschaftliche Engagement seiner Fans. Genaugenommen durch das der Fans des Traditionsklubs Göttingen 05. Ende 2015 wurde der Fan-Dachverband Supporterscrew e.V. mit dem renommierten Julius-Hirsch-Preis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ausgezeichnet. Der Jude Julius Hirsch, siebenfacher deutscher Nationalspieler und mit dem Karslruher FV und SpVgg Fürth zwei Mal deutscher Meister, wurde von den Nationalsozialisten deportiert und wahrscheinlich zwischen 1943-45 in Auschwitz-Birkenau ermordet. Der DFB ehrt mit dem nach Hirsch benannten und mit 7000 Euro dotierten Preis Fangruppierungen, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und andere Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in den Stadien und den Fanszenen einsetzen. Angesichts der neu aufkommenden rechten Hooligan-Gewalt (HoGeSa) und der von Nazis – wenn nicht dominierten so doch beeinflußten – Fanszenen in Braunschweig, Dortmund und anderswo kein leichtes und ungefährliches, dafür aber umso wichtigeres Unterfangen.

Dem genauso oft angeführten wie unsinnigen Credo „Fußball hat mit Politik nichts zu tun“ setzen die 05-Fans die Erkenntnis entgegen, dass die Massensportart Fußball gerade durch die große Anzahl von Menschen, die sich für sie begeistern, eine besondere gesellschaftliche Verantwortung trägt, die politisches Engagement geradezu notwendig macht. Sie haben sich mit der Geschichte ihres Clubs und der auch in der Göttinger Sportwelt während des NS praktizierten Judenverfolgung auseinandergesetzt. Dem während des NS aus dem Verein ausgeschlossenen jüdischen 05-Spieler Ludolf Katz setzten sie durch die Broschüre „LUDOLF KATZ – Ein Jude in Schwarz und Gelb“ ein Denkmal. Sie organisierten einen Vortrag mit dem schwulen Schiedsrichter Halil İbrahim Dinçdağ aus der Türkei, der über seine Erfahrungen in der Fußballwelt berichtete. Wer offenen Auges durch Göttingen geht, wird überall „Refugees Welcome“-Sticker in den Vereinsfarben schwarz und gelb sehen. Zuletzt sammelten sie Spenden für Geflüchtete und luden diese zu einem 05-Spiel ein.

Wir werden die 05-Fans in ihrem Fanraum am Platz der Synagoge besuchen und anschließend gemeinsam zum Oberliga-Spiel des 1. SC Göttingen 05 gegen den TSV Hillerse gehen.

Organisiert von der GRÜNEN JUGEND Göttingen mit freundlicher Unterstützung der Supporters Crew 05 e.V.

Es haben rund 20 Personen teilgenommen.

Soziale Stadtführung

Zeit & Treffpunkt: Dienstag, 20.10., 17 Uhr an der Stadthalle.

Die soziale Stadtführung vermittelt einen Einblick in die sozialen Einrichtungen in Göttingen, wie etwa der Göttinger Tafel, dem Straßenmagazin TagesSatz, dem Verein Kore, dem Migrationszentrum und vielen weiteren Institutionen. Sie zeigt eine andere Seite von Göttingen, ist kein Rundgang zu den üblichen Sehenswürdigkeiten, sondern gibt einen Einblick in dringend benötigte Angebote für Menschen, denen es nicht gut geht und die Hilfe benötigen.
Gerade für neuzugezogene Studienanfänger*innen ist die soziale Stadtführung eine gute Möglichkeit, nicht nur die im akademischen Elfenbeinturm befindlichen Hörsäle von innen kennenzulernen, sondern auch den eigenen Blick für die Perspektiven von Menschen zu schärfen, die ganz andere Lebensrealitäten haben, welche oft von der kapitalistischen Leistungsgesellschaft abgehängt wurden. Von einer Gesellschaft also, deren Elite z.B. an der Universität Göttingen herangezogen wird.

Das Angebot der sozialen Stadtführung soll im Idealfall zum Nachdenken über die Ungerechtigkeiten der bestehenden Gesellschaftsordnung und Wirtschaftsform und auch die kritische Reflexion über die eigene (zukünftige) Rolle in diesem System anregen.

Neben Erstsemester*innen sind natürlich auch alle anderen Interessierten herzlich willkommen! Die GJ Göttingen übernimmt die Kosten der sozialen Stadtführung.

Die soziale Stadtführung ist auch für Rollstuhlfahrer*innen geeignet. Einzelne Gebäude, die besucht werden, sind allerdings leider nicht barrierefrei.

Geleitet wird die soziale Stadtführung von der TagesSatz-Redakteurin Ute Kahle.

Moringen

Besuch der KZ-Gedenkstätte Moringen mit Führung 

24.10. | 15 Uhr | Bahnhof

Im Rahmen der Alternativen O-Phase wollen wir zusammen am Samstag, den 24.10. die KZ-Gedenkstätte Moringen besuchen. Treffpunkt & Zeit: 15 Uhr (bitte pünktlich kommen!), Bahnhof Göttingen. Die Anreise erfolgt mit dem Bus Nr. 220 um 15:10 Uhr vom Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB, links neben dem Bahnhof). Zurück in Göttingen sind wir voraussichtlich gegen 20 Uhr.

Die Busfahrt kostet circa 8 €, mit Gruppenticket ist es billiger. Die Führung kostet 2 € pro Person.
Bitte meldet euch per Mail an goettingen@gj-nds.de an!

Das Lager: Nichts hat einen größeren Symbolcharakter für die historisch einzigartigen Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands. Insgesamt 42.500 Lager hat es nach dem jetzigen Stand der Forschung gegeben, darunter viele Tausend in Deutschland selbst. 15 bis 20 Millionen Menschen wurden in diesen ermordet. Nicht alle dieser Lager erreichten den Bekanntheitsgrad von Auschwitz-Birkenau, Buchenwald oder Dachau. Teil des nationalsozialistischen Lagersystems waren sie trotzdem, auch in ihnen wurden Menschen, die nicht dem nationalsozialistischen Ideal entsprachen, eingesperrt, gequält und ermordet.

Das mitten im Ortskern von Moringen gelegene Konzentrationslager ist eines von ihnen. Nur knapp 30 Kilometer von Göttingen entfernt, wurden im KZ Moringen auch Göttinger Kämpfer*innen des kommunistischen Widerstandes gegen NS-Deutschland, wie etwa Gustav Kuhn oder Lieschen Vogel, interniert. Die vom berüchtigten Rassenhygieniker Robert Ritter angeregten Zwangssterilisierungen von als “krankhaft entarteten” und als “geistig defekt” eingestuften jugendlichen Insassen des KZ Moringen, wurden in der Universitätsklinik Göttingen durchgeführt. Und zwar unter der Ägide von Rudolf Stich, dem Leiter der Chirurgischen Klinik. Dieser ist bis heute Ehrenbürger der Stadt Göttingen, auch eine Straße ist noch nach ihm benannt. Das KZ Moringen ist also auch ein Teil der Geschichte Göttingens und ihrer Universität.

Heute ist in einem Teil der noch erhaltenen Gebäude eine KZ-Gedenkstätte eingerichtet, die von dem 1989 gegründeten Verein „Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e. V.“ betrieben wird. In der Führung durch die KZ-Gedenkstätte wird die Geschichte des KZ Moringen beleuchtet, das nacheinander als Männer-, Frauen-, und Jugend-KZ diente. Beleuchtet werden aber auch die Widerstände der Dorfbevölkerung, die in Moringen überwunden werden mussten, bis eine adäquate Form der Gedenkkultur überhaupt realisierbar war. Die, durch die Lage des KZs, der ganzen Dorfbevölkerung bekannten Verbrechen wurden lange lieber verdrängt als thematisiert. Auch in Moringen wurde also der Mythos der von den Gräueltaten der Nazis nichtsahnenden und unbeteiligten -und damit absolut unschuldigen- Deutschen eine lange Zeit erfolgreich aufrechterhalten.In und um Moringen herum, im Landkreis Northeim, gibt es heute eine virulente Neonaziszene. Anfang 2013 kam es auch zu faschistischen und geschichtsrevisionistischen Schmierereien an der KZ-Gedenkstätte selber. Das zeigt, dass der Schwur der überlebenden Häftlinge des KZ Buchenwald „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ immer noch von großer Aktualität ist.
Am 24.10. werden wir die KZ-Gedenkstätte gemeinsam besuchen und an einer Führung teilnehmen. Denn eine lebendige Erinnerungskultur ist ein integraler Bestandteil der Verantwortung auch heutiger Generationen!

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