Alternative O-Phase 2016

// 15. September 2016 // Allgemein, Anti-Atom

Bereits im fünften Jahr in Folge findet in Göttingen die Alternative O-Phase statt, die ein Alternativprogramm zu den in der „normalen“ O-Phase dominierenden Trinkspielen und Kleiderketten bieten soll. Organisiert von verschiedenen Stadt- und Unigruppen bietet sie zu Beginn des Wintersemesters 2016/17 (23.9.-28.11.) ein buntes Programm unterschiedlicher Angebote für Studienanfänger*innen und alle anderen Interessierten. Ziel ist es, Göttingen nicht nur als Raum zum Lernen, sondern auch als Raum zum Leben kennenzulernen. In diesem Sinne: Kommt vorbei und habt eine schöne Zeit mit euch und uns – wir freuen uns auf Euch! Nieder mit den Umständen! Her mit dem schönen Leben!

Die GJ Göttingen beteiligt sich mit insgesamt sechs Veranstaltungen – u.a. eine soziale Stadtführung und ein KZ-Gedenkstättenbesuch – zu unterschiedlichen Themengebieten an der Alternativen O-Phase. Hier gibt es das gesamte Programm als PDF zum Download und hier geht es zur Facebook-Seite.

Unten findet ihr nähere Infos zu den Veranstaltungen der GJ Göttingen.

Termine:

  • 11.10. | 14 Uhr | Treffpunkt: vor dem Juridicum: Druck- und Spray-Workshop mit  FLT*-Teil (FLT* steht für Frauen, Lesben und Trans*-Menschen)
  • 22.10. | 14 Uhr | ZOB: Exkursion zur KZ-Gedenkstätte Moringen mit Führung. Voranmeldung erwünscht an goettingen@gj-nds.de. Für Busfahrt bitte ca. 9 Euro mitbringen.
  • 23.10. | 14.30 Uhr | Maschpark: Fußballspiel: 1. SC Göttingen 05 vs Vahdet Salzgitter – Besuch bei den antirassistischen Ultras. Für Studis mit dem Kultur-Ticket kostenlos, ansonsten 5,50 Euro oder 3,50 Euro.
  • 25.10. | 17 Uhr | Stadthalle: Soziale Stadtführung mit der TagesSatz-Redakteurin Ute Kahle. Besuch der sozialen Institutionen Göttingens (Tafel etc).
  • 25.10. | 19 Uhr | Autonomicum: Alternative Ernährung in Göttingen. Input und Diskussion. Mit Tipps & Tricks zum Containern.
  • 27.10. | 18 Uhr | ZHG 006: Die Cannabis-Kriminalisierung ist gescheitert – Kontrollierte Abgabe als Lösung? Vortrag und Diskussion mit Prof. Kai Ambos.

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Workshop: Drucken & Sprayen (mit FLT*-Teil)

Treffpunkt & Zeit: 11.10. | 14 Uhr | vor dem Juridicum. 

Wir wollen mit euch kreativ werden und einen netten gemeinsamen Nachmittag mit guter Musik und tollen Gesprächen verbringen. Wenn ihr eigene Klamotten oder Taschen verschönern wollt, bringt sie einfach mit. Für sonstige Materialien wie Farbe, Spraydosen, Stoffreste und Motivvorlagen ist gesorgt.

Wir treffen uns am Dienstag, den 11.10. um 14 Uhr vorm Juridicum.

 Der Workshop ist so aufgebaut, dass die Möglichkeit besteht einen FLT*Teil zu gestalten. FLIT* steht für Frauen, Lesben, Inter und Trans*Menschen.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der YXK Göttingen – Verband der Studierenden aus Kurdistan statt.

Moringen

Besuch der KZ-Gedenkstätte Moringen mit Führung 

22.10. | 14 Uhr | ZOB

Im Rahmen der Alternativen O-Phase wollen wir zusammen am Samstag, den 22.10. die KZ-Gedenkstätte Moringen besuchen. Treffpunkt & Zeit: 14 Uhr (bitte pünktlich kommen!), Bahnhof Göttingen. Die Anreise erfolgt mit dem Bus Nr. 220 um 14:10 Uhr vom Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB, links neben dem Bahnhof). Zurück in Göttingen sind wir voraussichtlich gegen 19 Uhr.

Die Busfahrt kostet circa 8 €, mit Gruppenticket ist es billiger. Bitte meldet euch per Mail an goettingen@gj-nds.de an!

Das Lager: Nichts hat einen größeren Symbolcharakter für die historisch einzigartigen Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands. Insgesamt 42.500 Lager hat es nach dem jetzigen Stand der Forschung gegeben, darunter viele Tausend in Deutschland selbst. 15 bis 20 Millionen Menschen wurden in diesen ermordet. Nicht alle dieser Lager erreichten den Bekanntheitsgrad von Auschwitz-Birkenau, Buchenwald oder Dachau. Teil des nationalsozialistischen Lagersystems waren sie trotzdem, auch in ihnen wurden Menschen, die nicht dem nationalsozialistischen Ideal entsprachen, eingesperrt, gequält und ermordet.

Das mitten im Ortskern von Moringen gelegene Konzentrationslager ist eines von ihnen. Nur knapp 30 Kilometer von Göttingen entfernt, wurden im KZ Moringen auch Göttinger Kämpfer*innen des kommunistischen Widerstandes gegen NS-Deutschland, wie etwa Gustav Kuhn oder Lieschen Vogel, interniert. Die vom berüchtigten Rassenhygieniker Robert Ritter angeregten Zwangssterilisierungen von als “krankhaft entarteten” und als “geistig defekt” eingestuften jugendlichen Insassen des KZ Moringen, wurden in der Universitätsklinik Göttingen durchgeführt. Und zwar unter der Ägide von Rudolf Stich, dem Leiter der Chirurgischen Klinik. Dieser ist bis heute Ehrenbürger der Stadt Göttingen, auch eine Straße ist noch nach ihm benannt. Das KZ Moringen ist also auch ein Teil der Geschichte Göttingens und ihrer Universität.

Heute ist in einem Teil der noch erhaltenen Gebäude eine KZ-Gedenkstätte eingerichtet, die von dem 1989 gegründeten Verein „Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e. V.“ betrieben wird. In der Führung durch die KZ-Gedenkstätte wird die Geschichte des KZ Moringen beleuchtet, das nacheinander als Männer-, Frauen-, und Jugend-KZ diente. Beleuchtet werden aber auch die Widerstände der Dorfbevölkerung, die in Moringen überwunden werden mussten, bis eine adäquate Form der Gedenkkultur überhaupt realisierbar war. Die, durch die Lage des KZs, der ganzen Dorfbevölkerung bekannten Verbrechen wurden lange lieber verdrängt als thematisiert. Auch in Moringen wurde also der Mythos der von den Gräueltaten der Nazis nichtsahnenden und unbeteiligten -und damit absolut unschuldigen- Deutschen eine lange Zeit erfolgreich aufrechterhalten.In und um Moringen herum, im Landkreis Northeim, gibt es heute eine virulente Neonaziszene. Anfang 2013 kam es auch zu faschistischen und geschichtsrevisionistischen Schmierereien an der KZ-Gedenkstätte selber. Das zeigt, dass der Schwur der überlebenden Häftlinge des KZ Buchenwald „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ immer noch von großer Aktualität ist.
Am 22.10. werden wir die KZ-Gedenkstätte gemeinsam besuchen und an einer Führung teilnehmen. Denn eine lebendige Erinnerungskultur ist ein integraler Bestandteil der Verantwortung auch heutiger Generationen!


refugees_welcome_05Fußballspiel: 1. SC Göttingen 05 vs Vahdet Salzgitter – Besuch bei den antirassistischen Ultras.

Treffpunkt & Zeit: 23.10. | 14:30 Uhr | am Maschpark.  Für Studis mit dem Kultur-Ticket kostenlos, ansonsten 5,50 Euro oder 3,50 Euro.

Der Göttinger Fußball glänzt nicht durch seine Hochklassigkeit – schon eher durch das gesellschaftliche Engagement seiner Fans. Genaugenommen durch das der Fans des Traditionsklubs Göttingen 05. Ende 2015 wurde der Fan-Dachverband Supporterscrew e.V. mit dem renommierten Julius-Hirsch-Preis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ausgezeichnet. Der Jude Julius Hirsch, siebenfacher deutscher Nationalspieler und mit dem Karslruher FV und SpVgg Fürth zwei Mal deutscher Meister, wurde von den Nationalsozialisten deportiert und wahrscheinlich zwischen 1943-45 in Auschwitz-Birkenau ermordet. Der DFB ehrt mit dem nach Hirsch benannten und mit 7000 Euro dotierten Preis Fangruppierungen, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und andere Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in den Stadien und den Fanszenen einsetzen. Angesichts der neu aufkommenden rechten Hooligan-Gewalt (HoGeSa) und der von Nazis – wenn nicht dominierten so doch beeinflußten – Fanszenen in Braunschweig, Dortmund und anderswo kein leichtes und ungefährliches, dafür aber umso wichtigeres Unterfangen.

Dem genauso oft angeführten wie unsinnigen Credo „Fußball hat mit Politik nichts zu tun“ setzen die 05-Fans die Erkenntnis entgegen, dass die Massensportart Fußball gerade durch die große Anzahl von Menschen, die sich für sie begeistern, eine besondere gesellschaftliche Verantwortung trägt, die politisches Engagement geradezu notwendig macht. Sie haben sich mit der Geschichte ihres Clubs und der auch in der Göttinger Sportwelt während des NS praktizierten Judenverfolgung auseinandergesetzt. Dem während des NS aus dem Verein ausgeschlossenen jüdischen 05-Spieler Ludolf Katz setzten sie durch die Broschüre „LUDOLF KATZ – Ein Jude in Schwarz und Gelb“ ein Denkmal. Sie organisierten einen Vortrag mit dem schwulen Schiedsrichter Halil İbrahim Dinçdağ aus der Türkei, der über seine Erfahrungen in der Fußballwelt berichtete. Wer offenen Auges durch Göttingen geht, wird überall „Refugees Welcome“-Sticker in den Vereinsfarben schwarz und gelb sehen. Zuletzt sammelten sie Spenden für Geflüchtete und luden diese zu einem 05-Spiel ein.

Organisiert von der GRÜNEN JUGEND Göttingen mit freundlicher Unterstützung der Supporters Crew 05 e.V.


Soziale Stadtführung

Zeit & Treffpunkt: 25.10. | 17 Uhr | Stadthalle.

Die soziale Stadtführung vermittelt einen Einblick in die sozialen Einrichtungen in Göttingen, wie etwa der Göttinger Tafel, dem Straßenmagazin TagesSatz, dem Verein Kore, dem Migrationszentrum und vielen weiteren Institutionen. Sie zeigt eine andere Seite von Göttingen, ist kein Rundgang zu den üblichen Sehenswürdigkeiten, sondern gibt einen Einblick in dringend benötigte Angebote für Menschen, denen es nicht gut geht und die Hilfe benötigen.
Gerade für neuzugezogene Studienanfänger*innen ist die soziale Stadtführung eine gute Möglichkeit, nicht nur die im akademischen Elfenbeinturm befindlichen Hörsäle von innen kennenzulernen, sondern auch den eigenen Blick für die Perspektiven von Menschen zu schärfen, die ganz andere Lebensrealitäten haben, welche oft von der kapitalistischen Leistungsgesellschaft abgehängt wurden. Von einer Gesellschaft also, deren Elite z.B. an der Universität Göttingen herangezogen wird.

Das Angebot der sozialen Stadtführung soll im Idealfall zum Nachdenken über die Ungerechtigkeiten der bestehenden Gesellschaftsordnung und Wirtschaftsform und auch die kritische Reflexion über die eigene (zukünftige) Rolle in diesem System anregen.

Neben Erstsemester*innen sind natürlich auch alle anderen Interessierten herzlich willkommen! Die GJ Göttingen übernimmt die Kosten der sozialen Stadtführung.

Die soziale Stadtführung ist auch für Rollstuhlfahrer*innen geeignet. Einzelne Gebäude, die besucht werden, sind allerdings leider nicht barrierefrei.

Geleitet wird die soziale Stadtführung von der TagesSatz-Redakteurin Ute Kahle.


Vortrag und Diskussion: Alternative Ernährung in Göttingen – Containern und Co.

Zeit & Treffpunkt: 25.10. | 19 Uhr | Autonomicum

In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf die Broschüre „Containern in Göttingen mit Anna und Arthur“ von uns verwiesen!

Jedes Jahr verschwindet ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel: Sie werden weggeschmissen oder gehen auf dem Produktionsweg aus verschiedenen Gründen verloren (1). In Deutschland schmeißt jeder Mensch im Jahr ca. 80 kg Lebensmittel weg (2). Gleichzeitig verhungert alle 5 Sekunden ein Kind unter 10 Jahren (3).

Dieses krasse Paradoxon ist für viele Menschen ein Grund, sich über Ernährung, sowie über die Produktion der Lebensmittel Gedanken zu machen. Darüber hinaus gibt es jedoch noch viele andere Aspekte, die zu einer Reflexion über Ernährung im Allgemeinen führen können: Wo soll Nahrung produziert werden, wenn lange Transportwege häufig große C02- Emissionen zur Folge haben? Welche Nahrung soll produziert werden, wenn einige Lebensmittel (z.B. Fleisch) ethisch und umwelttechnisch fragwürdig sind? Wie soll produziert werden, wenn Monokulturen, Pestizide und Gentechnik Umweltschäden verursachen, gleichzeitig aber die Weltbevölkerung rasant wächst und effiziente Landwirtschaft auf begrenztem Raum notwendig erscheint? Und: Wie kann die Erfüllung des Grundbedürfnisses „Ernährung“ gesellschaftlich geregelt werden, wenn die Mechanismen einer kapitalistischen Wirtschaft das massenhafte Wegwerfen von Nahrungsmitteln sogar lohnenswert machen?

In unserem kleinen Vortrag im Rahmen der Alternativen O- Phase, wollen wir einige Aspekte dieser Fragestellungen aufgreifen. Vor allem sollen konkrete Anregungen zur alternativen Gestaltung der eigenen Ernährung in Göttingen gegeben werden: Containern, solidarische Landwirtschaft, Einkaufsmöglichkeiten und Möglichkeiten zum Essen gehen. Gerade weil ein unbewusster Umgang mit Ernährung weit verbreitet scheint, ist uns aber auch wichtig, die Hintergründe der alternativen Konzepte etwas zu erläutern. Außerdem soll nach dem Vortrag bei einem Tee oder einem Bierchen Raum für Austausch und Diskussion zu diesem Thema geboten werden.

Quellen

1: http://www.fao.org/news/story/en/item/74192/icode/
2: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2012-03/lebensmittel-muell-mindesthaltbarkeitsdatum
3: Ziegler, Jean: „Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der dritten Welt“. München, 2011. S.15.


Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Kai Ambos und RA Prof. Dr. Stefan König.

Die Cannabis-Kriminalisierung ist gescheitert – Kontrollierte Abgabe als Lösung?

Wann: 27.10. | 18 Uhr
Wo: ZHG 006, Uni Göttingen.

In Kooperation mit der Grünen Hochschulgruppe und unterstützt von der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen.

„Repressiver Umgang führt nicht zu weniger Konsum. Selbst wer gegen Cannabis ist, sollte die kontrollierte Abgabe unterstützen.“ Ausgehend von dieser These werden in dieser Veranstaltung die Auswirkungen der Cannabis-Prohibition und die Gründe für ihr Scheitern kritisch beleuchtet.

Mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung hat bereits Cannabis konsumiert. Der Konsum ist nicht illegal – Produktion, Handel & Besitz schon. Wer Cannabis konsumieren möchte, ist meist zu illegalen Handlungen gezwungen. Auch wenn Verfahren wegen des Besitzes von „geringen Mengen“ meist eingestellt werden: Die rechtlich festgeschriebene Strafverfolgung ist eine Belastung für unser Rechtssystem (Staatsanwaltschaften & Gerichte & Polizei) und die Konsument*innen. Die strafrechtliche Einleitung der (meist eingestellten) Verfahren kostet den Staat jährlich Millionen.

Die Legalisierung von Cannabis wäre somit nicht nur eine Entkriminalisierung der Konsument*innen, sondern auch eine Entlastung des Rechtssystems.

Im Vortrag werden u.a. folgende Fragen diskutiert:
Ist die Legalisierung von Cannabis nur noch eine Frage der Zeit?
Sind Versuchs-Projekte zur kontrollierten Abgabe von Cannabis die Lösung?
Wie würde ein solches Modell-Projekt funktionieren?
Kann Göttingen eine Vorreiterrolle angesichts der aktuellen gesellschaftlichen und rechtlichen Entwicklungen einnehmen?

Der renommierte Göttinger Strafrechtler Prof. Kai Ambos ist seit 2003 Lehrstuhlinhaber für „Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsvergleichung und internationales Strafrecht“ an der Uni Göttingen und seit 2006 Richter am Landgericht. Er forscht seit Langem zum Thema Drogen und den Folgen ihrer repressiven Kontrolle. Kürzlich hat er zusammen mit weiteren Expert*innen einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der wissenschaftlich begleitete lokale Versuchs-Projekte zu kontrollierten Abgabe von Cannabis regeln soll. Diesen finden Sie hier.

Der bekannte Berliner Rechtsanwalt Prof. Dr. Stefan König ist Honorarprofessor an der juristischen Fakultät der Universität Göttingen und Co-Autor des Gesetzesentwurfes.

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