Alternative O-Phase: Veranstaltungen der GJ Göttingen

// 13. Oktober 2017 // Allgemein

Auch dieses Jahr möchten wir einen Teil zur Alternativen O-Phase beitragen und laden euch deshalb zu diesen Veranstaltungen ein:

21.10. | 11:00 Uhr | ZOB Göttingen Bussteig F: Besuch der KZ-Gedenkstätte in Moringen

30.10. | 18:00 Uhr | Autonomicum: Vortrag zu alternativer Ernährung in Göttingen. Im Anschluss an den Vortrag: Druckworkshop

Fahrt zur Gedenkstätte des KZ Moringen

Das Lager: Nichts hat einen größeren Symbolcharakter für die historisch einzigartigen Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands. Insgesamt 42.500 Lager hat es nach dem jetzigen Stand der Forschung gegeben, darunter viele Tausend in Deutschland selbst. 15 bis 20 Millionen Menschen wurden in diesen ermordet. Nicht alle dieser Lager erreichten den Bekanntheitsgrad von Auschwitz-Birkenau, Buchenwald oder Dachau. Teil des nationalsozialistischen Lagersystems waren sie trotzdem, auch in ihnen wurden Menschen, die nicht dem nationalsozialistischen Ideal entsprachen, eingesperrt, gequält und ermordet.

Das mitten im Ortskern von Moringen gelegene Konzentrationslager ist eines von ihnen. Nur knapp 30 Kilometer von Göttingen entfernt, wurden im KZ Moringen auch Göttinger Kämpfer*innen des kommunistischen Widerstandes gegen NS-Deutschland, wie etwa Gustav Kuhn oder Lieschen Vogel, interniert. Die vom berüchtigten Rassenhygieniker Robert Ritter angeregten Zwangssterilisierungen von als “krankhaft entarteten” und als “geistig defekt” eingestuften jugendlichen Insassen des KZ Moringen, wurden in der Universitätsklinik Göttingen durchgeführt. Und zwar unter der Ägide von Rudolf Stich, dem Leiter der Chirurgischen Klinik. Dieser ist bis heute Ehrenbürger der Stadt Göttingen, auch eine Straße ist noch nach ihm benannt. Das KZ Moringen ist also auch ein Teil der Geschichte Göttingens und ihrer Universität.

Heute ist in einem Teil der noch erhaltenen Gebäude eine KZ-Gedenkstätte eingerichtet, die von dem 1989 gegründeten Verein „Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e. V.“ betrieben wird.

In der Führung durch die KZ-Gedenkstätte wird die Geschichte des KZ Moringen beleuchtet, das nacheinander als Männer-, Frauen-, und Jugend-KZ diente. Beleuchtet werden aber auch die Widerstände der Dorfbevölkerung, die in Moringen überwunden werden mussten, bis eine adäquate Form der Gedenkkultur überhaupt realisierbar war. Die, durch die Lage des KZs, der ganzen Dorfbevölkerung bekannten Verbrechen wurden lange lieber verdrängt als thematisiert. Auch in Moringen wurde also der Mythos der von den Gräueltaten der Nazis nichtsahnenden und unbeteiligten -und damit absolut unschuldigen- Deutschen eine lange Zeit erfolgreich aufrechterhalten.

In und um Moringen herum, im Landkreis Northeim, gibt es heute eine virulente Neonaziszene. Anfang 2013 kam es auch zu faschistischen und geschichtsrevisionistischen Schmierereien an der KZ-Gedenkstätte selber. Das zeigt, dass der Schwur der überlebenden Häftlinge des KZ Buchenwald „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ immer noch von großer Aktualität ist.

Am 21.10. werden wir die KZ-Gedenkstätte gemeinsam besuchen und an einer Führung teilnehmen. Denn eine lebendige Erinnerungskultur ist ein integraler Bestandteil der Verantwortung auch heutiger Generationen! Die Busfahrt kostet mit Gruppenticket circa 5 €. Die Kosten für die Führung übernehmen wir. Der Bus fährt um 11:10 Uhr vom ZOB Göttingen, deswegen treffen wir uns um 11:00 dort am Bussteig F.

Vortrag und Diskussion: Alternative Ernährung in Göttingen – Containern und Co.

Jedes Jahr verschwindet ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel: Sie werden weggeschmissen oder gehen auf dem Produktionsweg aus verschiedenen Gründen verloren. In Deutschland schmeißt jeder Mensch im Jahr ca. 80 kg Lebensmittel weg. Gleichzeitig verhungert alle 5 Sekunden ein Kind unter 10 Jahren.

Dieses krasse Paradoxon ist für viele Menschen ein Grund, sich über Ernährung, sowie über die Produktion der Lebensmittel Gedanken zu machen. Darüber hinaus gibt es jedoch noch viele andere Aspekte, die zu einer Reflexion über Ernährung im Allgemeinen führen können: Wo soll Nahrung produziert werden, wenn lange Transportwege häufig große C02- Emissionen zur Folge haben? Welche Nahrung soll produziert werden, wenn einige Lebensmittel (z.B. Fleisch) ethisch und umwelttechnisch fragwürdig sind? Wie soll produziert werden, wenn Monokulturen, Pestizide und Gentechnik Umweltschäden verursachen, gleichzeitig aber die Weltbevölkerung rasant wächst und effiziente Landwirtschaft auf begrenztem Raum notwendig erscheint? Und: Wie kann die Erfüllung des Grundbedürfnisses „Ernährung“ gesellschaftlich geregelt werden, wenn die Mechanismen einer kapitalistischen Wirtschaft das massenhafte Wegwerfen von Nahrungsmitteln sogar lohnenswert machen?

In unserem kleinen Vortrag im Rahmen der Alternativen O- Phase, wollen wir einige Aspekte dieser Fragestellungen aufgreifen. Vor allem sollen konkrete Anregungen zur alternativen Gestaltung der eigenen Ernährung in Göttingen gegeben werden: Containern, solidarische Landwirtschaft, Einkaufsmöglichkeiten und Möglichkeiten zum Essen gehen. Gerade weil ein unbewusster Umgang mit Ernährung weit verbreitet scheint, ist uns aber auch wichtig, die Hintergründe der alternativen Konzepte etwas zu erläutern. Außerdem soll nach dem Vortrag bei einem Tee oder einem Bierchen Raum für Austausch und Diskussion zu diesem Thema geboten werden.

Treffpunkt & Zeit: Autonomicum, 30.10., 18:00 Uhr.

Wer im Anschluss an den Vortrag noch Zeit und Lust hat, kann gerne da bleiben und mit uns Beutel u.Ä. bedrucken. Wir stellen Farben bereit, wenn ihr etwas anderes als Beutel bedrucken wollt (Transpis, T-Shirts), bringt noch Stoff mit!

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