Aufruf zur Göttinger Kundgebung für die Aufklärung des NSU-Komplexes, gegen Nationalismus und Rassismus und für ein solidarisches Zusammenleben

// 15. Januar 2015 // Aktionen, antifa, Antirassismus

KeupstraßeKundgebung und Gedenkfeier

19.1.2015, 17:00 Uhr , Marktplatz Altes Rathaus, Göttingen mit Redebeiträgen des Göttinger Integrationsrates, der „Initiative 6.April“ Kassel, des Anatolischen Kulturzentrums, der DITIB Gemeinde Göttingen, des AK Asyl, des Festkomitees „Günterser Frühlingsfest“, des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

+++ An der Kundgebung haben mehr als 200 Menschen teilgenommen +++ Pressebericht der HNA +++

Mobiflyer

Hinweis: Der DGB hat einen Bus für den kommenden Dienstag (20.1.2015) zum Aktionstag nach München anlässlich der Verhandlung des Nagelbombenanschlags in Köln durch den NSU organisiert. Busfahrkarten sind ab sofort im DGB, Weender Landstraße 6, und im Buchladen Rote Straße, Nikolaikirchof 7, für 25,- Euro zu beziehen. Wir danken für die finanzielle Unterstützung dem Integrationsrat Göttingen, dem DGB-Regionsbüro Nordhessen-Thüringen/Kassel, dem dortigen Ausländerbeirat und dem AStA Uni Kassel. Abfahrt ist Zoologisches Institut Göttingen 5:00 am 20.1.2015 über Kassel 5:45 Uhr, Rückfahrt ist 20:00 Uhr ab München über Kassel.

Am 19. Januar 2015 jährt sich zum vierzehnten Mal der erste Bombenanschlag des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in Köln. Genau wie beim späteren Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße war dabei nur durch ein Wunder niemand ums Leben gekommen. Mindestens zehn Menschen wurden jedoch durch den NSU mit Hilfe seines Netzwerkes ermordet. So wurde am 6.April 2006 Halit Yozgat in Kassel – nur einen Katzensprung von Südniedersachsen entfernt – ermordet.

All dies kann nicht ungeschehen gemacht werden, weder die Toten, noch die Verletzten, und auch nicht die jahrelangen Drangsalierungen ihrer Angehörigen durch Ermittlungsbehörden.

Wenn am 20. Januar 2015 im Münchener NSU-Prozess der Nagelbombenanschlag der Keupstraße verhandelt wird, zeigen wir Solidarität mit den mehr als 30 Nebenkläger_innen und Angehörigen der Opfer. Am Vorabend des Prozesstages gedenken wir der Opfer. Vor allem protestieren wir gegen jahrelange rassistische Ausgrenzung und Diskriminierung der Betroffenen von NSU-Morden und fordern eine schonungslose Aufklärung: Wer gehört(e) alles zum NSU? Wie groß ist die gesellschaftliche Dimension des NSU-Komplexes? Welche Rolle spielen Politik, Polizei und Geheimdienste?

Wir wissen, dass es die Unterstützung aller gesellschaftlichen Gruppen braucht, denen bewusst ist, dass der Gerichtsprozess alleine nicht ausreichen wird, um die Geschichte der Mord- und Anschlagserie aufzuklären und die Ursachen des rassistischen Terrors zu beheben.

Wenn bei den gegenwärtigen bundesweiten Montagskundgebungen wie Pegida in Dresden oder Kagida in Kassel erneut nationalistische, gekoppelt mit rassistischen Parolen skandiert werden und soziale Verteilungsfragen auf dem Rücken von Flüchtlingen ausgetragen werden, sagen wir: Jetzt ist der Moment gekommen, geschlossen und unmissverständlich auch in Göttingen unserer Empörung, unserem Entsetzen, unserem Widerstand Ausdruck zu verleihen. Zu lange haben zivilgesellschaftliche Kräfte die Taten des NSU unterschätzt. Der NSU darf seine Ziele nicht erreichen: Wir werden nicht zulassen, dass in dieser Gesellschaft Menschen und Gemeinschaften durch rassistischen Populismus, oder gar durch Bomben- und Mordanschläge bedroht, an den Rand gedrängt oder ausgelöscht werden können. Wir wollen eine Gesellschaft, in der Menschen ohne Angst verschieden sein können. Wir lassen uns weder durch ungleiche Teilhabe noch durch Terror spalten.

Als Antwort auf den in Teilen unserer Gesellschaft herrschenden Rassismus tragen wir unser Gedenken an die Opfer der NSU-Morde in die Öffentlichkeit. Unsere Antwort heißt, über nationalstaatliche Grenzen hinweg wirkende Solidarität mit den Angehörigen rassistischer Morde, aber auch Solidarität mit Migrant_innen im gegenseitigen Respekt füreinander.

Auf das Mitbringen von Fahnen bitten wir zu verzichten. Als Ausdruck des Protestes und der Anteilnahme können symbolisch Aktenorder hochgehalten werden. Diese stehen für die unaufgeklärten Zusammenhänge und das durch Ermittlungsbehörden vernichtete Aktenmaterial.

Unterzeichnende:
Göttinger Bündnis gegen Rechts
DGB-Region Südniedersachsen-Harz
DGB-Jugend Region Südniedersachsen-Harz
DGB-Kreisverband Göttingen
IGM Südniedersachsen-Harz
ver.di Göttingen
ver.di-Jugend Göttingen
Kreis- und Stadtvorstand Bündnis 90/ Die Grünen
Grüne Jugend Göttingen
Kreisverband DIE LINKE Göttingen
Lokaler Aktionsplan Landkreis Northeim
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Kreisvereinigung Göttingen
Gedenkstätte KZ Moringen
Integrationsrat Göttingen
NaturFreunde
Motoradclub Kuhle Wampe
Attac Göttingen
Antifaschistische Linke International (A.L.I.)
AK Asyl
amnesty international Göttinger Gruppe 1117
AKM Anatolisches Kulturzentrum Göttingen
Selbsthilfe Körperbehinderter Göttingen e.V.
Rote Hilfe
Jugendzentrum Innenstadt
Frauen-Notruf e.V.
Friedrich Selter, Superintendent, Göttingen
Sabine Lösing (MdEP)
Dr. M. K. Ramaswamy Piratenpartei Niedersachsen / KV Göttingen

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