Frauenpolitische Aktion mit der Grünen Jugend Niedersachsen Fahrradtour

// 19. Juli 2009 // Aktionen, Gender

Am 16. Juli hatte die Grüne Jugend Göttingen die Grüne Jugend Niedersachsen-Fahrradtour zu Gast. Zusammen mit den Mitfahrer_innen und der Ortsgruppe haben wir in der Innenstadt eine Aktion durchgeführt, um auf die anhaltende gesellschaftliche Ungleichheit zwischen Frauen und Männern hinzuweisen.

Frauen werden in unserer Gesellschaft immer noch geringer geschätzt, als Männer – völlig ohne Grund! Das sieht mensch etwa daran, dass wesentlich mehr Straßen nach Männern benannt wurden, als nach Frauen. Warum? Es gibt doch genügend großartige Frauen, die in ihrem Leben so viel geleistet haben, dass wir nach ihnen eine Straße benennen könnten.

Wir haben die Initiative ergriffen und ein paar konstruktive Vorschläge gemacht und zwar vor Ort: einige Straßen in der Göttinger Innenstadt haben wir nach bewundernswerten Frauen umbenannt.

Wir werden weiter darauf hinwirken, dass das unhaltbare Verhältnis von nur 15 % Straßen in Göttingen die nach Frauen benannt wurden ausgeglichen wird!

Zur Beschluslage der Grünen Jugend

Der Text der wärend der Aktion verteilten Fleyer

Männer und Frauen sind gleichberechtigt.” So steht es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und spätestens seit der Emanzipationswelle der 70er Jahre würde diesem Grundsatz wohl auch niemand mehr ernsthaft widersprechen. Denn Frauen und Männer sollen gleichberechtigt sein, das ist inzwischen zum verbreiteten, gesellschaftlichen Wertekonsens geworden, den niemand mehr ernsthaft in Frage stellen würde.
Aber stimmt das auch? Sind Frauen und Männer wirklich gleichberechtigt und das Geschlecht spielt keine Rolle mehr? Viele sagen inzwischen: „Ja klar, wir sind doch emanzipiert – dieser ganze Feminismus ist doch unnötig geworden.“
Tatsächlich endet die Gleichberechtigung der Frau in unserer Gesellschaft jedoch kurz hinter dem Glauben daran, dass es diese Gleichberechtigung gibt: Frauen bekommen für die gleiche Arbeit mehr als ein Fünftel weniger Gehalt und die meisten einflussreichen Positionen in Politik und Wirtschaft werden von Männern besetzt. Im Alltag sieht es nicht viel besser aus: wer bleibt – selbst in „emanzipierten“ Partnerschaften – zu Hause, wenn das erste Kind geboren wurde? Warum sind es vor allem junge Frauen, die sich herunter hungern, um allgemeine Schönheitsideale zu erfüllen?
Sind das Überbleibsel aus einer patriarchalischen Gesellschaft, die sich inzwischen aber selbst aufgeklärt hat? Oder gibt es vielleicht doch noch eine soziale Norm, die Frauen – und insgesamt das Weibliche – in unserer Gesellschaft niedriger schätzt als das Männliche: Eigenschaften, die Männern zugeschrieben* werden (wie z. B. Stärke und Durchsetzungsvermögen) werden als wertvoller und erstrebenswerter betrachtet, als vermeintlich weibliche Eigenschaften (wie Emotionalität). Im allgemeinen Sprachgebrauch wird normalerweise nur die männliche Form aller Nomen verwendet.
Und: Die Personen, denen wir öffentlich gedenken sind meistens Männer, fast nie Frauen. Männliche Statuen, Institutionen wie Schulen, Forschungseinrichtungen etc. die nach berühmten Männern benannt sind, nicht nach Frauen.
Vielleicht hat das Bild, das Frauen in der öffentlichen Wahrnehmung einnehmen doch etwas damit zu tun, wie Frauen tatsächlich in unserer Gesellschaft dastehen, nämlich immer noch schlechter gestellt! Wenn wir Frauen nicht wichtig nehmen, dann ist es vielleicht eben auch kein Wunder, wenn im Zweifel z. B. ein Mann den besseren Job bekommt.

Wir wollen Frauen zu dem Platz in der öffentlichen Anerkennung verhelfen, der ihnen gebührt. Es gibt und gab z. B. genug bewundernswerte Frauen, die es verdient hätten, das wir eine Straße nach ihnen benennen. Trotzdem heißen die meisten Straßen, die einen Personennamen tragen, nach Männern — in Göttingen heißen nur ca. 15 % davon nach Frauen. Wir wollen ein paar Vorschläge machen, um dieses Verhältnis auszugleichen und damit ein bisschen zur Verbesserung der öffentlichen Anerkennung von Frauen beitragen. Damit unsere Gesellschaft wirklich etwas gleichberechtigter wird.

*Auf die diskursive Zuordnung von „Persönlichkeitseigenschaften“ zu Geschlechtern soll hier nur verwiesen werden. Wir lehnen eine solche stereotype Zuweisung als falsches Verständnis von der „Natürlichkeit“ der Geschlechter prinzipiell ab.

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