Gegen den Burschentag in Eisenach und die rechtspopulistische AfD!

// 12. Juni 2014 // antifa, Antirassismus, Pressemitteilungen

6962065444.thumbnail+++An der Demonstration haben sich circa 250 Menschen beteiligt, es kam zu massiven Schikanen durch die Polizei+++ Einen Bericht findet ihr hier+++

Vom 12. bis 15. Juni trifft sich im thüringischen Eisenach der extrem rechte Burschenschafts-Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) zum sogenannten „Wartburgfest“. Wie in den vier Vorjahren findet deswegen am 14. Juni eine antifaschistische und feministische Demonstration gegen den „Burschentag“ und den traditionellen Fackelmarsch statt, die maßgeblich auch von Gruppen aus Göttingen organisiert wird. Die GRÜNE JUGEND Göttingen unterstützt den Protestaufruf und ruft zur Teilnahme an der Gegendemonstration auf! Darüber hinaus prangert die GJ die massiven personellen und ideologischen Überschneidungen der DB mit der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ an.

Ein Mitglied der GJ Göttingen äußert sich dazu wie folgt:

„In der „Deutschen Burschenschaft“ hat es nach der Diskussion über die Einführung eines sogenannten „Arierparagraphen“ einen massiven Rechtsruck gegeben. Die sich selbst als „liberal“ darstellenden, nationalkonservativen und auf ihr Image bedachten Bünde sind seitdem aus der DB ausgetreten. Übrig geblieben ist ein erzreaktionärer Zusammenschluss rund um die ultrarechte „Burschenschaftliche Gemeinschaft“ (BG). Der von der DB offen vertretene Rassismus, völkische Nationalismus, Sexismus und die in der DB systemische Homophobie stellen eine Gefahr für die Gesellschaft dar und dürfen nicht unwidersprochen bleiben. Menschenfeindlichkeit und Intoleranz dürfen nicht toleriert werden! Die GJ Göttingen ruft deswegen zu lautstarken Protesten auf! Das der Stiftungsrat der Wartburg den Burschen jetzt kurzfristig die Nutzungsrechte entzogen hat und auch die Stadt Eisenach den Nutzungsvertrag für die Werner-Aßmann-Halle gekündigt hat, zeigt, dass zivilgesellschaftlicher Protest Früchte trägt! Es wird jetzt ganz eng für die DB, jede öffentliche Akzeptanz für ihr Gedankengut schwindet gerade. Und das ist auch gut so!“

Zahlreiche DB-Funktionäre sind mittlerweile in die „Alternative für Deutschland“ (AfD) und deren Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA) eingetreten, bekleiden dort zum Teil hohe Ämter und nehmen Mandate wahr. Dazu das Mitglied der GJ Göttingen:

„Wenn es derzeit eine politische Partei gibt, die für rechte Burschenschaftler attraktiv ist, dann ist es die AfD. Der amtierende Sprecher der DB, Gordon Engler, zog kürzlich für die AfD in den Dresdner Stadtrat ein. Der wegen eines rassistischen Eklats als „Bananen-Nolte“ bekanntgewordene Benjamin Nolte von der berüchtigten Münchner Rechtsaußen-Burschenschaft „Danubia“, wurde im Februar zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der JA gewählt und musste erst kürzlich unter massivem öffentlichem Druck zurücktreten. Diese Liste lässt sich beliebig weiterführen, etwa mit Alexander Jungbluth oder Joachim Paul. Beide gehören der für den „Arierparagraphen“ verantwortlichen „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ an und bekleiden hohe Ämter in der AfD beziehungsweise JA. Es gibt zudem frappierende ideologische Übereinstimmungen zwischen DB und AfD, so etwa ihr Nationalismus, Antifeminismus und der gemeinsame Kampf gegen die „political correctness“. Die Allianz der rechtspopulistischen AfD mit der extrem rechten DB ist offensichtlich keine Zweckehe, sondern eine Liebesheirat! Wenn rechte Burschenschaftler durch die AfD eine parteipolitische Plattform und ein Sprachrohr für ihre menschenverachtenden Ideologien bekommen, ist das extrem gefährlich. Der Protest gegen die DB ist für uns deswegen auch ein Protest gegen die rechtspopulistische AfD.“

Es wird aus Göttingen eine gemeinsame Busanreise nach Eisenach geben. Karten gibt es im Roten Buchladen zu kaufen. Die Homepage des Protestbündnisses und den von der GJ Göttingen unterstützten Demonstrationsaufruf finden Sie hier: http://gegenburschentage.blogsport.de/

Auch von offizieller Stelle wurde die DB-Problematik mittlerweile erkannt: Die Thüringer Landeszentrale für politische Bildung (LZT) führt anlässlich des Burschentages in Kooperation mit der Stadt Eisenach eine politikwissenschaftlich-kritische Tagung mit dem Titel „Rechte Burschen. Traditionslinien nationalistischen und völkischen Denkens in Deutschland“ durch. Infos hier: http://www.lzt-thueringen.de/files/lpbthuer-rechteburschen-flyer_4.pdf

Zum Rausschmiß der DB aus der Wartburg:

http://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/burschentag_eisenach_wartburg100.html
http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/burschentag-burschenschafter-duerfen-nicht-auf-wartburg-feiern-a-974565.html

Eine ausführliche Stellungnahme der GJ Göttingen zur DB und AfD finden Sie unten.

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Ausführliche Stellungnahme:

Gegen den Burschentag in Eisenach und die rechtspopulistische AfD!

Die GRÜNE JUGEND Göttingen ruft zur Teilnahme an einer feministischen und antifaschistischen Demonstration gegen den „Tag der Deutschen Burschenschaft“ am 14. Juni in Eisenach auf. Dort treffen sich jedes Jahr die in der extrem rechten „Deutschen Burschenschaft“ (DB) organisierten Bünde zum sogenannten „Wartburgfest“ und einem Fackelmarsch. Nach dem kürzlich erfolgten Rechtsruck in der DB sind viele nationalkonservative und auf ihr Image bedachte Verbindungen ausgetreten (1). Die verbliebenen Burschenschaften sind für ihren offenen Rassismus, völkischen Nationalismus, Sexismus und ihre Homophobie aufs Schärfste zu kritisieren! Zudem prangert die GJ Göttingen in ihrer Stellungnahme die massiven personellen Überschneidungen der DB mit der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) an.

Burschenschaften sind doch nur Männerfreundschaften?

Gemeinsam das Burschenschaftsdenkmal in Eisenach besuchen, gemeinsam trinken und feiern, gemeinsam wohnen. Auf den ersten Blick scheint dies eine durchaus legitime Weise, das Zusammenleben in einer Gruppe zu gestalten. Ein zweiter Blick auf die Vorstellungen von praktizierter Gemeinschaft in Burschenschaften ermöglicht jedoch die Sicht auf ein Wertesystem, das zu massiver Diskriminierung von Frauen und allen Menschen führt, die nicht in das völkische und homophobe Weltbild passen.

Bei gemeinsamer Feierei wird zwar die innige Verbundenheit aller Burschenschaftler gepflegt und ein hoch emotional aufgeladenes Gemeinschaftsgefühl erzeugt. Wie Zuneigung zu anderen Burschenschaftlern gezeigt werden kann, ist dabei aber klar definiert. Alles, was nicht in das Muster bestimmter „männlicher“ Verhaltensformen passt, wird als „schwul“ verurteilt und verbannt. Um nicht seine Männlichkeit und seine Wertschätzung in der Gruppe zu verlieren, muss man sich klar von solchen „nicht-männlichen“ Verhaltensweisen abgrenzen.

Anerkennung und Macht erlangt man in der Gemeinschaft durch emotionale Härte und völlige Selbstaufgabe für die Gruppe, z.B. indem man körperliche Verletzungen beim Fechten gleichgültig einsteckt oder sogar durch Passivität provoziert. Opferbereitschaft und das Aufgehen im größeren Ganzen zählen mehr als individuelle Bedürfnisse.

In vielen Burschenschaften wird dieser Wertekatalog durch völkischen Ideen und Vorstellungen ergänzt. Ein Beispiel dafür ist die Diskussion in der DB über einen „Ariernachweis“ als Bedingung für die Aufnahme in eine Burschenschaft der DB (1).

Eine Gruppe, deren Individuen sich in dieser Weise selbst aufgeben und selbst begrenzen, kann auch den anderen Menschen keine individuelle Lebensgestaltung zugestehen. Deshalb führt die eigene Abgrenzung der Burschenschaftler gegenüber „schwulen“ Verhaltensweisen, sowie gegenüber „nicht- deutschem“ Aussehen, bzw. „nicht-deutscher“ Herkunft, ebenfalls zu Sexismus und Rassismus gegenüber allen anderen Menschen in ihrer Umgebung. Darauf haben wir keinen Bock!

AfD: Neue politische Heimat für Burschenschaftler

Viele DB-Funktionäre haben mittlerweile in der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ auch eine parteipolitische Heimat und Plattform für ihr extrem rechtes Gedankengut gefunden, so etwa der amtierende Sprecher der Deutschen Burschenschaft, Gordon Engler. Dieser war Kandidat für die AfD bei der sächsischen Kommunalwahl am 25. Mai in Dresden, und zog für die AfD auch in den Stadtrat ein [(3) und (4)].

Dies ist kein Einzelfall: Auch der wegen eines rassistischen Eklats als „Bananen-Nolte“ bekanntgewordene Benjamin Nolte ist zwischenzeitlich bei der AfD untergekommen. Während des Burschentages 2009 in Eisenach überreichte er einer Burschenschaft, die einen schwarzen Studenten aufgenommen hatte, eine Banane [(5)und (6)]. Anfang Februar 2014 wurde „Bananen-Nolte“ zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der „Jungen Alternative“, der Jugendorganisation der AfD, gewählt, musste unter massivem öffentlichem Druck aber mittlerweile zurücktreten.

Es gibt noch zahlreiche weitere Fälle, die beweisen, dass die AfD ein Sammelbecken für extrem rechte Burschenschaftler ist (4). Auch in Göttingen war mit Lars Steinke ein Mitglied der nur aus Imagegründen aus der DB ausgetretenen Burschenschaft Hannovera im AfD-Kreisvorstand vertreten. Er wurde im August 2013 nach längeren „Querelen“ um seine „Sympathien für nationalsozialistische Ideen“ (Zitat GT vom 5.1.2014) aus dem Amt entfernt.

Das alles zeigt: Díe Allianz der rechtspopulistischen AfD mit der extrem rechten DB ist keine Zweckehe, sondern eine Liebesheirat!

Auf die Straße gegen den Burschentag in Eisenach!

Die Verstrickungen von Burschenschaftlern mit der AfD zeigen zum wiederholten Mal auf, welche äußerst umstrittene Position die AfD als Partei einnimmt: Sie bietet Raum zur politischen Organisation und Verbreitung rassistischer, sowie völkischer Ideen und macht dieses Gedankengut salonfähig für den alltäglichen, demokratischen Diskurs.

Damit sich die extrem rechten Positionen der DB nicht auf diese, noch auf eine andere Weise verbreiten und verfestigen können, muss auf den Burschentag in Eisenach mit massivem Protest reagiert werden! Wir wollen die sexistische und rassistische Praxis der Burschenschaften nicht hinnehmen! Zeigt den Burschenschaftlern, dass sie weder in Eisenach noch in Göttingen, noch sonstwo erwünscht sind!

Gegen männerbündische Strukturen und Homophobie!
Für den Feminismus und ein selbstbestimmtes Leben!
Für eine Gesellschaft jenseits von Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus

Hintergrundinformationen und Quellen:

Zum Rechtsruck der DB:

(1) http://www.abendblatt.de/nachrichten/article116467846/Rechte-Burschenschaften-uebernehmen-Kontrolle.html

Genauere Überlegungen zur Konstruktion von Gemeinschaft in Burschenschaften finden sich hier:

(2) http://gegenburschentage.blogsport.de/2014/05/20/paper-der-gruppe-subway-maennerbund-als-gemeinschaft-der-gleichen/

Hintergrundartikel von Spiegel und Zeit Online zu rechten Burschenschaftern in der AfD:

(3) http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/burschenschaften-und-afd-allianz-der-rechtspopulisten-a-962356.html

(4) http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-03/afd-burschenschaften-lucke

Zu Bananen-Nolte:

(5) http://www.taz.de/!135649/

(6) http://www.sueddeutsche.de/politik/junge-afd-trennt-sich-von-rechtem-burschenschafter-abschied-von-bananen-nolte-1.1927022

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