Ökologisch, sozial, antifaschistisch: Drei Veranstaltungen der GJ Göttingen im Rahmen der Alternativen O-Phase

// 15. Oktober 2013 // Aktionen, antifa, Öko, Soziales

Zum zweiten Mal nacheinander findet in Göttingen die Alternative O-Phase statt, die ein Alternativprogramm zu den in der „normalen“ O-Phase dominierenden Trinkspielen und Kleiderketten bieten soll. Organisiert von verschiedenen Stadt- und Unigruppen bietet sie ein buntes Programm unterschiedlicher Angebote für Studienanfänger*innen. Die GJ Göttingen beteiligt sich mit insgesamt drei Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themengebieten an der Alternativen O-Phase.

1374813_311382909000891_1396372046_nSozial:

+++An der sozialen Stadtführung hat eine kleine Gruppe Interessierter von circa 10 Menschen teilgenommen+++

Am Sonntag, 20.10.2013 findet eine soziale Stadtführung unter der Leitung der Redakteurin des Straßenmagazins TagesSatz, Ute Kahle, zu verschiedenen sozialen Institutionen wie etwa der Göttinger Tafel, dem Verein Kore, dem Migrationszentrum und vielen weiteren statt. Treffpunkt ist der Bahnhofsvorplatz um 11 Uhr.

Ökologisch:

+++An der Veranstaltung haben mehr als 50 Menschen teilgenommen+++

Am Donnerstag, 24.10.2013 findet ein Vortrag und eine Diskussion über alternative Ernährung in Göttingen statt. Dort wird es u.a. um Containern gehen. Beginn ist um 19 Uhr im Autonomicum (unten links im Blauen Turm der Universität).

Antifaschistisch:

Die Fahrt zur KZ-Gedenkstätte Moringen muss leider ausfallen! Sie wird aber demnächst nachgeholt, Infos folgen!!!

Unten findet ihr noch eine nähere Beschreibung der Veranstaltungen.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Soziale Stadtführung.

Die soziale Stadtführung vermittelt einen Einblick in die sozialen Einrichtungen in Göttingen, wie etwa der Göttinger Tafel, dem Straßenmagazin TagesSatz, dem Verein Kore, dem Migrationszentrum und vielen weiteren Institutionen. Sie zeigt eine andere Seite von Göttingen, ist kein Rundgang zu den üblichen Sehenswürdigkeiten, sondern gibt einen Einblick in dringend benötigte Angebote für Menschen, denen es nicht gut geht und die Hilfe benötigen.

Gerade für neuzugezogene Studienanfänger*innen ist die soziale Stadtführung eine gute Möglichkeit, nicht nur die im akademischen Elfenbeinturm befindlichen Hörsäle von innen kennenzulernen, sondern auch den eigenen Blick für die Perspektiven von Menschen zu schärfen, die ganz andere Lebensrealitäten haben, welche oft von der kapitalistischen Leistungsgesellschaft abgehängt wurden. Von einer Gesellschaft also, deren Elite z.B. an der Universität Göttingen herangezogen wird.

Das Angebot der sozialen Stadtführung soll im Idealfall zum Nachdenken über die Ungerechtigkeiten der bestehenden Gesellschaftsordnung und Wirtschaftsform und auch die kritische Reflexion über die eigene (zukünftige) Rolle in diesem System anregen.

Neben Erstsemester*innen sind natürlich auch alle anderen Interessierten herzlich willkommen! Die GJ Göttingen übernimmt die Kosten der sozialen Stadtführung. Wenn möglich wird aber um eine kleine Spende gebeten.

Treffpunkt & Zeit: Sonntag, 20.10.2013; 11 Uhr am Bahnhofsvorplatz.

Die soziale Stadtführung ist auch für Rollstuhlfahrer*innen geeignet. Einzelne Gebäude, die besucht werden, sind allerdings leider nicht barrierefrei.

Geleitet wird die soziale Stadtführung von der TagesSatz-Redakteurin Ute Kahle.

In diesem Zusammenhang empfehlen wir auch ausdrücklich die ebenfalls im Rahmen der Alternativen O-Phase stattfindende Veranstaltung „Ein Versuch einer Einführung in die Kapitalismuskritik“ (Autonomicum – unten links im „Blauen Turm“) am Donnerstag, 17.10.2013, 17 Uhr

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Vortrag und Diskussion – Alternative Ernährung in Göttingen: Containern und Co.

In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf die Broschüre „Containern in Göttingen mit Anna und Arthur“ von uns verwiesen. Ihr findet sie hier!

Jedes Jahr verschwindet ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel: Sie werden weggeschmissen oder gehen auf dem Produktionsweg aus verschiedenen Gründen verloren (1). In Deutschland schmeißt jeder Mensch im Jahr ca. 80 kg Lebensmittel weg (2). Gleichzeitig verhungert alle 5 Sekunden ein Kind unter 10 Jahren (3).

Dieses krasse Paradoxon ist für viele Menschen ein Grund, sich über Ernährung, sowie über die Produktion der Lebensmittel Gedanken zu machen. Darüber hinaus gibt es jedoch noch viele andere Aspekte, die zu einer Reflexion über Ernährung im Allgemeinen führen können: Wo soll Nahrung produziert werden, wenn lange Transportwege häufig große C02- Emissionen zur Folge haben? Welche Nahrung soll produziert werden, wenn einige Lebensmittel (z.B. Fleisch) ethisch und umwelttechnisch fragwürdig sind? Wie soll produziert werden, wenn Monokulturen, Pestizide und Gentechnik Umweltschäden verursachen, gleichzeitig aber die Weltbevölkerung rasant wächst und effiziente Landwirtschaft auf begrenztem Raum notwendig erscheint? Und: Wie kann die Erfüllung des Grundbedürfnisses „Ernährung“ gesellschaftlich geregelt werden, wenn die Mechanismen einer kapitalistischen Wirtschaft das massenhafte Wegwerfen von Nahrungsmitteln sogar lohnenswert machen?

In unserem kleinen Vortrag im Rahmen der Alternativen O- Phase, wollen wir einige Aspekte dieser Fragestellungen aufgreifen. Vor allem sollen konkrete Anregungen zur alternativen Gestaltung der eigenen Ernährung in Göttingen gegeben werden: Containern, solidarische Landwirtschaft, Einkaufsmöglichkeiten und Möglichkeiten zum Essen gehen. Gerade weil ein unbewusster Umgang mit Ernährung weit verbreitet scheint, ist uns aber auch wichtig, die Hintergründe der alternativen Konzepte etwas zu erläutern. Außerdem soll nach dem Vortrag bei einem Tee oder einem Bierchen Raum für Austausch und Diskussion zu diesem Thema geboten werden.

Treffpunkt & Zeit: Autonomicum, 24.10., 19 Uhr.

In diesem Zusammenhang empfehlen wir das „Vegane Kochen“ am 14.10. um 20 Uhr (Treffen G7- Denkmal auf dem Z- Campus) und am 19.10. um 16 Uhr (gleicher Treffpunkt: Hier ist ebenfalls Raum, sich über Ernährung im Allgemeinen und speziell in Göttingen auszutauschen. 

Quellen
1: http://www.fao.org/news/story/en/item/74192/icode/
2: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2012-03/lebensmittel-muell-mindesthaltbarkeitsdatum
3: Ziegler, Jean: „Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der dritten Welt“ . München, 2011. S.15.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Die Fahrt nach Moringen muss leider aus verschiedenen Gründen ausfallen! Eventuell wird sie aber demnächst nachgeholt.

Fahrt zur Gedenkstätte des KZ Moringen.

Das Lager: Nichts hat einen größeren Symbolcharakter für die historisch einzigartigen Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands. Insgesamt 42.500 Lager hat es nach dem jetzigen Stand der Forschung gegeben, darunter viele Tausend in Deutschland selbst. 15 bis 20 Millionen Menschen wurden in diesen ermordet. Nicht alle dieser Lager erreichten einen Bekanntheitsgrad wie Auschwitz-Birkenau, Buchenwald oder Dachau. Teil des nationalsozialistischen Lagersystems waren sie trotzdem, auch in ihnen wurden Menschen, die nicht dem nationalsozialistischen Ideal entsprachen, eingesperrt, gequält und ermordet.

Das mitten im Ortskern von Moringen gelegene ist eines dieser Lager. Nur knapp 30 Kilometer von Göttingen entfernt, wurden auch Göttinger Kämpfer*innen des kommunistischen Widerstandes gegen NS-Deutschland, wie etwa Gustav Kuhn oder Lieschen Vogel, in Moringen interniert. Die vom berüchtigten Rassenhygieniker Robert Ritter angeregten Zwangssterilisierungen von als „krankhaft entarteten“ und als „geistig defekt“ eingestuften Jugendlichen wurden in der Universitätsklinik Göttingen durchgeführt. Und zwar unter der Ägide von Rudolf Stich, dem Leiter der Chirurgischen Klinik. Dieser ist bis heute Ehrenbürger der Stadt Göttingen, auch eine Straße ist noch nach ihm benannt. Das KZ Moringen ist also auch ein Teil der Geschichte Göttingens und ihrer Universität.

Heute ist in einem Teil der noch erhaltenen Gebäude eine KZ-Gedenkstätte eingerichtet, die vom 1989 gegründeten Verein „Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e. V.“ betrieben wird.

In der Führung durch die KZ-Gedenkstätte wird die Geschichte des KZ Moringen beleuchtet, das nacheinander als Männer-, Frauen-, und Jugend-KZ diente. Beleuchtet werden aber auch die Widerstände der Dorfbevölkerung, die in Moringen überwunden werden mussten, bis eine adäquate Form der Gedenkkultur überhaupt realisierbar war. Die, durch die Lage des KZs, der ganzen Dorfbevölkerung bekannten Verbrechen wurden lange lieber verdrängt als thematisiert. Auch in Moringen wurde also der Mythos der von den Gräueltaten der Nazis nichtsahnenden und unbeteiligten -und damit absolut unschuldigen- Deutschen eine lange Zeit erfolgreich aufrechterhalten.

In und um Moringen herum, im Landkreis Northeim, gibt es heute eine virulente Neonaziszene. Anfang 2013 kam es auch zu faschistischen und geschichtsrevisionistischen Schmierereien an der KZ-Gedenkstätte selber. Das zeigt, dass der Schwur der überlebenden Häftlinge des KZ Buchenwald „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ immer noch von großer Aktualität ist.

Eine lebendige Erinnerungskultur ist deshalb ein integraler Bestandteil der Verantwortung auch heutiger Generationen!

Treffpunkt & Zeit: Donnerstag, 31.10.2013, 14 Uhr
Fahrt: Semesterticket + 8 €. Führung: 2%nbsp;€/Person. Treffen: Bahnhof Göttingen.

In diesem Zusammenhang empfehlen wir auch ausdrücklich die Teilnahme an dem von der Antifaschistischen Linken International [A.L.I.] veranstalteten antifaschistischen Stadtrundgang. Neben einem Einblick in die aktuelle antifaschistische Politik in Göttingen werden auch der historische antifaschistische Widerstand in Göttingen und seine Akteur*innen thematisiert. Mehr Infos dazu hier!

Mittwoch, 23. Oktober 2013 | 19 Uhr | Rosa-Luxemburg-Haus (AStA, Goßlerstr. 16)

Kommentar schreiben