Offener Brief an die JuLis zur PM „Tore ohne Trikots – Grüne Jugend gegen EM-Spaß“

// 21. Juni 2012 // antifa, Pressemitteilungen

antifaHallo liebe JuLis,

vielen Dank, dass ihr euch wieder einmal selbst disqualifiziert habt. Problematisch ist auf der einen Seite, dass es sich bei eurer sogenannten „Pressemitteilung“ zu fast 50% um ein Plagiat eines Artikels aus der Zeitung die „Welt“ (http://www.welt.de/kultur/article106607169/Antideutsche-erklaeren-dem-Patriotismus-den-Krieg.html) handelt und ihr im Stil der Mutterpartei selbstverständlich keine Quellenangaben gemacht habt. So schreibt die „Welt“ beispielsweise in ihrem Artikel „Grüne wie Antifa bemühen sich, jenen ein schlechtes Gewissen einzureden, die sich nach Jahrzehnten deutschen Selbsthasses zum ersten Mal ein wenig entspannt fühlen, wenn sie auf ihr Land blicken.“, während ihr dies nur minimal zu „Grüne wie Antifa bemühen sich, jenen ein schlechtes Gewissen einzureden, die nach Jahrzehnten deutschen Selbsthasses zum ersten Mal ein wenig entspannt und stolz auf ihr Land blicken.“ abändert. Viel schlimmer als diese Tatsache ist aber, dass ihr die inhaltliche Kritik am Nationalismus nicht verstanden habt und trotzdem versucht Politik zu machen.

Der in euren Augen unbedeutende Patriotismus bei Fußballmeisterschaften ist durchaus eine Gefahr, da eine solche Stimmung in der Bevölkerung nachweislich dazu führt, dass die Menschen rassistischere und nationalistischere Einstellungen teilen. Dies könnt ihr wunderbar in der Studie „Deutsche Zustände“ zum Jahre 2006 u.a. von Heitmeyer, oder auch in folgendem Artikel nachlesen ( http://www.sueddeutsche.de/kultur/studie-zur-fussballweltmeisterschaft-fussballtaumel-und-fremdenfeindlichkeit-1.893255 ). Laut Heitmeyer hat der „fröhliche Partypatriotismus um die Fußballweltmeisterschaft 2006 nicht eine normale Identität, sondern ausgrenzenden Nationalismus gefördert. Es ist gefährlich soziale Desintegration mit Nationalstolz kompensieren zu wollen. Er warnt daher vor den riskanten Folgen patriotistischer Kampagnen. Der These, es gebe zu viele Ausländer im Land, stimmen 60% der Deutschen zu, 6% mehr als 2002.“

Die Überwachung antifaschistischer Gruppierungen durch den Verfassungsschutz ist keine Grundlage um die Zusammenarbeit mit ihnen zu verweigern, sondern zeigt stattdessen, dass sich der Verfassungsschutz in seiner Geschichte wenig weiterentwickelt hat. Als antikommunistisches Organ entstanden, ist klar, dass sein Feind links steht. Grundlage dafür stellt eine pseudowissenschaftliche Extremismustheorie dar, die zwar kaum Bezug zur Realität hat (wie mittlerweile in mehreren Studien, unter anderem vom Deutschen Jugendinstitut kritisiert wurde), aber laut Innenminister Schünemann dennoch Grundlage für die Handlungen seiner Behörde sein kann. So werden Nazis, die die Ungleichheit von Menschen in Form von Rassismus, Antisemitismus, etc. propagieren mit den Menschen gleichgesetzt, die sich für das Gegenteil einsetzen, nämlich eine Welt, in der alle Menschen ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entsprechend leben können.

Gleichermaßen wird dadurch die Mitte der Gesellschaft von „extremen Einstellungen“ reingewaschen. Dass gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zur großen Teilen auch von der sogenannten „Mitte der Gesellschaft“ ausgeht, und dadurch den Nährboden für entsprechende Handlungen bietet, wird ausgeblendet. Intoleranz ist eine Folge nationalistischer Einstellungen und wird nicht von den Menschen betrieben, die sich gegen solche Entwicklungen engagieren. Demokratie ist für uns mehr als ein alle paar Jahre wiederkehrendes Recht auf formelle Mitbestimmung durch einen Gang zur Wahlurne. Nach unserem Verständnis von Demokratie ist es unumgänglich, sich Ausgrenzung in den Weg zu stellen. Das tun wir auch beim Ausgrenzungsmechanismus des Nationalismus, egal ob aus der „Mitte“ oder von gewaltbereiten Nazis. Uns also Intoleranz vorzuwerfen zeugt davon, dass Ihr die Problematik des Nationalismus nicht verstanden habt!

Antinationalistische Grüße,
die GRÜNE JUGEND Göttingen

Und noch ein schönes Zitat im Abgang:
„Wird eine Fußballweltmeisterschaft vom Radio übertragen, deren jeweiligen Stand die gesamte Bevölkerung aus allen Fenstern und durch die dünnen Wände der Neubauten hindurch zur Kenntnis zu nehmen gezwungen ist, so mögen selbst spektakulär verschlampte Gammler und wohlsituierte Bürger in ihren Sakkos einträchtig um Kofferradios auf dem Bürgersteig sich scharen. Für zwei Stunden schweißt der große Anlass die gesteuerte und kommerzialisierte Solidarität der Fußballinteressenten zur Volksgemeinschaft zusammen. Der kaum verdeckte Nationalismus solcher scheinbar unpolitischen Anlässe von Integration verstärkt den Verdacht ihres destruktiven Wesens.“ (Theodor W. Adorno)

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Presse:

Stadtradio Göttingen

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