PM: Containern muss legal sein! GRÜNE JUGEND Göttingen begrüßt Freispruch im Container-Prozess!

// 20. Februar 2014 // Öko, Pressemitteilungen, Soziales

BroschüreVor dem Amtsgericht Eschwege fand heute der zweite Tag im Prozess gegen drei Studierende der Uni Witzenhausen statt, die Lebensmittel containert hatten und deswegen des „schweren Diebstahls“ angeklagt waren. Der Prozess endete heute mit einem Freispruch. Ein Interview mit den Aktivist*innen findet sich auf Monsters of Göttingen.

Ein Mitglied der GJ Göttingen äußert sich dazu wie folgt:

„Wir begrüßen den Freispruch der drei Containerer*innen ausdrücklich, kritisieren aber, dass dieser „aus Mangel an Beweisen“ erfolgt ist! Containern stellt in unseren Augen eine dringend notwendige Kritik an der kapitalistischen Wegwerfgesellschaft dar, die generell nicht kriminalisiert werden darf. Dass es überhaupt zu einem solchen Prozess kommen konnte, ist eine Farce und eine Verhöhnung all jener, die täglich weltweit an den Folgen von fehlenden Lebensmitteln sterben, weil sie nicht das Glück hatten in unserer verschwenderischen Überflussgesellschaft geboren zu werden. Jährlich werden in Deutschland mehrere Millionen Tonnen noch genießbarer Lebensmittel weggeworfen, das ist ein Skandal. Wir begrüßen deswegen nicht nur den Freispruch, sondern solidarisieren uns auch mit allen Forderungen der drei Containerer*innen. Es muss einen fundamentalen Wandel im Umgang mit Lebensmitteln hin zu mehr Wertschätzung geben. Lebensmittel sind im wahrsten Sinne des Wortes „Mittel zum Leben“ und deren Produktion darf am allerwenigsten das Ziel der kapitalistischen Gewinnmaximierung verfolgen.“

Ein weiteres Mitglied der GJ Göttingen ergänzt:

„Eine Klassifizierung des „Mülls“ als „herrenloses“ Gut wäre zumindest eine kurzfristige Lösung zur rechtlichen Legalisierung des Containerns. Das notwendige fundamentale Umdenken im Umgang mit Lebensmitteln wird aber leider nicht von heute auf morgen erfolgen. Deswegen fordern wir alle Lebensmittelvertriebe auf, ihren „Müll“ für Containerer*innen und Bedürftige zugänglich aufzubewahren und die Mitnahme nicht anzuzeigen. Das gute Beispiel von Naturkost Elkershausen, die seit langem so verfahren, zeigt, dass angebliche rechtliche Sachzwänge keine Begründung für die Abschottung durch Schlösser, Ketten und Zäune sind. Vor diesem Hintergrund kritisieren wir insbesondere die Vorgehensweise der Göttinger Tegut-Filialen, die nach einer Container-Reportage des Göttinger Tagesblatts neuerdings ihren „Müll“ verstärkt sichern. Tegut stellt allerdings keinen Einzelfall dar, viele andere Supermärkte verfahren ähnlich. Unserer Kritik müssen sich also viele Akteur*innen stellen.“

Aus aktuellem Anlass sei hier noch einmal auf die 2012 von der GRÜNEN JUGEND Göttingen veröffentlichte Reportage „Containern in Göttingen mit Anna und Arthur“ verwiesen. Darin werden zwei Containerer*innen begleitet und verschiedene Stationen aufgeführt. Die Broschüre zum kostenlosen Download gibt es hier!

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