PM: Offener Brief veröffentlicht: Kein Golfplatz in Geismar!

// 29. Mai 2015 // Öko, Pressemitteilungen, Soziales

Golfplatz_GeismarHeute wurde ein von mehreren Jugend- und Studierendenzusammenschlüssen unterzeichneter Offener Brief veröffentlicht. Der von der GRÜNEN JUGEND initiierte Brief spricht sich gegen einen geplanten Golfplatz bei Geismar aus. Er richtet sich gegen die Instrumentalisierung junger Menschen, denen Vertreter*innen von GoeSF (Göttinger Sport und Freizeit GmbH) und Unisport ein Interesse an dem Golfplatz anzudichten versuchen. Der Brief kann weiterhin per Mail an goettingen@gj-nds.de unterstützt werden!

Dazu ein Mitglied der GJ Göttingen: „Die Verfechter*innen des Platzes versuchen einen „Golf-Boom“ in Göttingen herbeizureden. Trotz aller gegenteiliger Beteuerungen bleibt Golf aber ein Luxussport für wenige. Insbesondere für junge Menschen ohne oder mit nur einem kleinen Einkommen ist Golf nicht bezahlbar. Wir begrüßen es deswegen, dass mehrere Akteur*innen sich jetzt mittels eines Offenen Briefes gegen die Instrumentalisierung wehren.“

Das GJ-Mitglied weiter: „Die Golfplatz Lobbyist*innen um Alexander Frey von der GoeSF versuchen auf Zeit zu spielen und gleichzeitig die Planungen unter dem Radar der Öffentlichkeit voranzutreiben. Hier sollen Fakten geschaffen werden, bevor überhaupt ein seriöses Finanzierungsmodell steht. Und obwohl die Göttinger Bevölkerung gegen den Golfplatz ist: Mittlerweile haben 5000 Menschen die Online-Petition unterzeichnet. Dieser Golfplatz ist eine sozial-ökologische Katastrophe. Die GRÜNE JUGEND fordert ein Ende der Hintertür-Planerei und die Streichung des Golfplatzes aus dem Flächennutzungsplan.“

Homepage der Golfplatz-Gegner*innen: http://golfplatz-goettingen.de/
Online-Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/nein-zum-golfplatz-im-gottinger-suden

Offener Brief von Jugend- und Studierendenzusammenschlüssen:

Kein Golfplatz in Geismar! Prestigeprojekt für Wenige statt „Volks-Golfplatz für alle“!

In der Diskussion über einen Golfplatz auf einer renaturierten Bauschuttdeponie bei Geismar wird derzeit viel mit angeblichen Interessen von Schüler*innen, Jugendlichen und Studierenden argumentiert. Von verschiedenen Akteur*innen, allen voran Alexander Frey von der Göttinger Sport- und Freizeit GmbH (GoeSF) wird behauptet, dass es in unserem Interesse läge, einen Golfplatz in Geismar zu errichten und dieses Angebot bestimmt rege genutzt werden würde. Das stellt eine krasse Form von Instrumentalisierung dar, denn aus jugendpolitischer Perspektive gibt es in Göttingen viel dringendere Probleme, als einen fehlenden Golfplatz!

Wir, Zusammenschlüsse von jungen Menschen, Schüler*innen und Studierenden, wenden uns gegen diese Instrumentalisierung und gegen dass aus unserer Sicht sinnlose Prestige- und Luxusprojekt „Golfplatz im Göttinger Süden“!

Unsere klare Positionierung stützen wir vor allem auf folgende Argumente:

  • Der als „Volks-Golfplatz“ angepriesene Platz soll für Schüler*innen, Jugendliche und Studierende „offen“ sein und es wird damit geworben, dass der Kauf eines langfristig gültigen Platzausweises nicht notwendig sei und stattdessen Tageskarten erworben werden könnten. Dieses „Argument“ hat einen dicken Pferdefuß: Der Betrieb eines Golfplatzes kostet jährlich 500.000 – 700.000 Euro. Wenn diese Summe im Wesentlichen durch Tageskarten aufgebracht werden soll, müssen diese sehr teuer sein. Vergleichspreise von anderen Golfplätzen liegen bei circa 50 – 70 Euro. Wie sollen sich junge Menschen ohne reiche Eltern so etwas leisten können? Sollten die Tageskarten zu akzeptablen Preisen verkauft werden, so ließe sich der Erhalt des Platzes nicht finanzieren und die GoeSF müsste Geld nachschießen, das dann an anderer Stelle fehlt (s. nächster Punkt).
  • Der angebliche „Volks-Golfplatz“ ist ein Luxusprojekt für Wenige! Vor dem Hintergrund, dass der Stadtjugendring (SJR) als Jugenddachverband in Göttingen lange um die Erhöhung seines Budgets kämpfen musste, ist das Heranziehen von angeblichen Jugendinteressen durch politisch Verantwortliche zynisch. Wenn diese tatsächlich um die Interessen der Jugendlichen besorgt wären, hätten sie dem SJR schnell und unbürokratisch ausreichende Finanzmittel zur Verfügung stellen sollen. Das wäre etwas gewesen, was bei jungen Menschen direkt ankommt. Stattdessen wurde und wird immer wieder auf den sogenannten „Zukunftsvertrag“ verwiesen, der im Wesentlichen bedeutet, das an unserer Zukunft gespart wird.
  • Golf ist ein Sport der Wenigen: Deutlich unter 1 Prozent der Deutschen ist Mitglied in einem Golfclub. Die Golfplatz-Verantwortlichen in Göttingen hegen die Hoffnung auf einen Golf-Boom, ein solcher ist aber sehr unwahrscheinlich. Die Zuwächse des Golfsportes stagnieren in Deutschland derzeit.
  • Es gibt in Göttingen und Umgebung bereits mehrere Golfangebote – 4 in einem Umkreis von 30 Kilometern. Insbesondere der seit längerem nicht ausgelastete und chronisch unterfinanzierte Golfplatz bei Nörten-Hardenberg hätte an einer Kooperation mit Göttingen sicherlich großes Interesse.
  • Durch einen Parkplatzbau fällt der Abschlagplatz nahe des Uni-Klinikums künftig weg. Vertreter*innen des Uni-Sports behaupten deswegen, dass sie im Interesse von mehren zehntausend Studierenden sprechen, wenn sie einen Golfplatz fordern. Das entspricht nicht der Realität, eine ganz überwiegende Mehrheit der Göttinger Studierenden hat auch bei akzeptablen Preisen kein Interesse, Golf zu spielen.
  • Der geplante Golfplatz ist schädlich für Natur und Umwelt. Das Gebiet umfasst neben intensiv genutzten Ackerflächen auch biologisch bewirtschaftete Weiden und schöne Wiesen- und Gebüschflächen, die Lebensraum für seltene, bedrohte und geschützte Tierarten wie das Rebhuhn und den Rotmilan bieten. Des Weiteren kämen der sehr hohe Verbrauch an Ressourcen wie Trinkwasser und Energie, sowie der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden hinzu.
  • Die Fläche wird aktuell von vielen Anwohner*innen als Naherholungsgebiet genutzt. Ein Golfplatz könnte diese Funktion trotz aller Versicherungen von Alexander Frey niemals einnehmen.

Wir fordern statt des Golfplatzes die Förderung von Projekten, die bei jungen Menschen wirklich ankommen. Dazu gehört insbesondere die Förderung von Jugendverbänden über den SJR, die Unterstützung des Breitensportes anstatt von Elitensport, die Ermöglichung von politischem Engagement junger Menschen durch Beteiligung an (kommunalen) politischen und gesellschaftlichen Prozessen.

Ihr Golfplatz-Lobbyist*innen sprecht nicht für uns!
Wir sagen: Kein Golfplatz in Geismar!

Unterzeichner*innen (Stand 29.5.2015):

BUNDjugend Göttingen
Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung (DJN)
Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät der Universität Göttingen
Grüne Hochschulgruppe Göttingen (mit 12 Sitzen zweitgrößte Fraktion im Studierendenparlament)
GRÜNE JUGEND Göttingen
JANUN Göttingen
NaturFreunde Ortsgruppe Göttingen
Schüler*innenbündnis Göttingen
YXK-Göttingen

Lovis Pape, Ex-Mitglied der Schueler*innenvertretung und Ex-Mitglied im Schulvorstand des Felix-Klein-Gymnasiums
Valentin Büchi, ehemaliger Chefredakteur der Schüler*innenzeitung des FKG Göttingen
Stephanie Fiedel, Geschäftsführungsassistenz GRÜNE Göttingen
Francisco Welter-Schultes, Piratenpartei Göttingen

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