Poetry-Slam der GRÜNEN JUGEND auf 8.März-Demo

// 11. März 2018 // Aktionen, Gender

Am 10. März fand eine Demo zum Frauen*kampftag statt. Die Demo stand unter dem Motto „We still resist!“. Es nahmen um die 300 Menschen teil. Als Teil des Bündnisses haben wir uns auch inhaltlich in die Demo eingebracht. Den von uns gehaltenen Redebeitrag in Form eines Poetry-Slams wollen wir an dieser Stelle dokumentieren. Er kann auch hier als PDF heruntergeladen werden. Es sein darauf hingewiesen, dass an einigen Stellen bewusst nicht gegendert wurde, da sich der Beitrag in erster Linie an dominante männliche Politiker richtet.


Lieber Politiker,
die feministischen Kämpfe sind nicht vorbei. Die Politik, deren Aufgabe es sein sollte Bürger*innen zu vertreten, deren Aufgabe es sein sollte Gleichberechtigung zu schaffen, Freiräume zu schaffen zur Entfaltung und so, hat scheinbar versagt. Wo ist die Gleichberechtigung? Wo sind die Freiräume? Vergraben unter Sexismus, unter Mechanismen von Exklusion und struktureller Benachteiligung, erdrückt von Gesetzen, die Menschen Entscheidungen über ihren Körper nehmen, sie verbieten, sie unmöglich machen. Gleichgeschlechtliche Paare können jetzt heiraten? Super! Aber die Gesetzeslage erleuchtet deswegen nicht in Regenbogenfarben. Diese Entscheidung war nur der Weg zum Startblock, der Startschuss für die Zukunft ist gefallen aber ihr habt ihn nicht gehört, oder wolltet ihr nicht?
Klar, nicht jede Frau, jede queere Person, nicht jede Person of Colour muss politisch aktiv sein, nur weil sie betroffen ist von Unterdrückung. Trotzdem, auch wenn ihr sie nicht gerade hier bei uns seht oder in den Gremien, auf den politischen Bühnen dieser Welt, haben sie, haben wir, ein Recht darauf wie alle Menschen bei politischen Entscheidungen miteinbezogen oder wenigstens mitgedacht zu werden. Die Entscheidungen, die ihr auf höchster Ebene trefft, sie betreffen uns. Und leider schafft ihr es nicht andere, als eure eigenen, Lebensumstände mitzudenken. Und leider rafft ihr das nicht mal. Gleichberechtigung fühlt sich wie Unterdrückung an, wenn man an Privilegien gewöhnt ist, so wie ihr. Wir hier auf der Straße und wir Politiker*innen in den Gremien wir reden und wir diskutieren und wir kämpfen. Wir machen Politik, nicht weil wir schön aussehen, sondern weil wir Inhalte nach vorne bringen wollen. A face and a brain. Wir wollen was bewegen.
Lieber Politiker, ginge es dir um Inhalte, wie es uns um Inhalte geht, hättest du einfach mal den Mund gehalten, als wir redeten. Stattdessen quatschst du uns in unsere Argumente, erklärst uns Inhalte, von denen du womöglich weniger Ahnung hast als wir. Zurückgelehnt, die Beine breit und die Hände hinter dem Kopf verschränkt auf deinem Stuhl, der dir sicher ist, weil ihr in euren Männerrunden die Macht unter euch verteilt und sie euch hin und hergeschoben habt. Beim Bier in der Kneipe.
Falls du deine Männlichkeit suchst: Zwischen den Zeilen unserer Argumente wirst du sie nicht finden, und auch wenn du dich an uns hochdrückst, unsere Rechte mit Füßen trittst, um deine Nase in höhere Machtsphären zu stecken, wirst du sie nicht erspähen können.
Wie männlich es doch wäre gute Politik für alle zu machen, wie menschlich gar!

Aber wir sind der Widerstand.
Der Widerstand, mit dem ihr zu rechnen habt. Der Widerstand, der hinter eurem Horizont hervorbricht, der eure enge Stirn zum Wachsen anspornt. Wir pöbeln und wir quengeln, wir nerven und wir kämpfen. Wir sind euer notwendiges Korrektiv, wir sind eure außerparlamentarische Opposition und wir sind laut und wir sind bunt und wir sind viele. Eure Ignoranz führt zu nichts! Wir gehen hier nicht weg, bis sich verdammt noch mal etwas ändert.
Wir sind der Widerstand, der da ist, bis er überflüssig ist, weil in diesem Land und in dieser Welt die Menschen so vielfältig sein können, wie sie viele sind. Politik machen bedeutet Macht für alle und alle heißt alle!

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