RAUS ZUM 8. MÄRZ – GRÜNDE SIND GENUG VORHANDEN!

// 3. März 2016 // Gender

indexIn Göttingen hat sich anlässlich des 8. März ein feministisches Bündnis gegründet!

Aufruf:

Am 8. März ist Frauen*Kampftag! Deshalb wollen wir uns selbstbestimmt den Raum um den Marktplatz und das Gänseliesl herum aneignen und mit kreativen Aktionen gestalten. Kommt um 17 Uhr zu den Aktionen und ab 18 Uhr zu unserer Kundgebung! (Außerdem startet dort um 19 Uhr die Demo der Genoss*innen der AJ.)

RAUS ZUM 8. MÄRZ – GRÜNDE SIND GENUG VORHANDEN!

Der internationale Frauen*Kampftag steht für den Kampf für rechtliche, politische und wirtschaftliche Gleichstellung; für ein selbstbestimmtes Leben, für das Recht auf Bildung, auf körperliche Unversehrtheit sowie sexuelle Selbstbestimmung aller Mädchen* und Frauen*, Lesben und Trans*.
Zentral sind dabei folgende Kämpfe: der Kampf gegen den § 218, welcher Frauen* das Recht auf Abtreibung verwehrt; der Kampf gegen die andauernde Zuordnung von Frauen* in den privaten Bereich, welche zur Folge hat, dass Frauen* weiterhin für Reproduktionsarbeiten (Kindererziehung, Haushalt) verantwortlich gemacht werden und ihnen so ein selbstbestimmtes Leben verwehrt wird. In diesem Zuge gilt es auch, die Vorherrschaft des Modells der traditionellen heterosexuellen Kleinfamilie zu kritisieren, da dieses u.a. jene Zuordnung von weiblich=privat und männlich=öffentlich verfestigt sowie von diesem Modell abweichende Lebensformen abwertet. Schließlich muss weiterhin das Patriarchat samt seiner Unterdrückung von Frauen* und der Zuschreibung von Geschlechterrollen und -stereotypen bekämpft werden!
Der 8. März ist für uns also kein (nationaler) Frauentag, an dem wir uns zur (imaginierten) Gleichstellung auf die Schultern klopfen und Blumen verschenken, sondern er ist der internationale Frauen*Kampftag, aus dem auch das Sternchen nicht mehr wegzudenken ist!
[Als Frauen Sternchen werden hier alle Personen begriffen, die sich als solche definieren, oder als solche gelesen werden und von dementsprechenden Diskriminierungsmechanismen betroffen sind, oder als solche Diskriminierungserfahrungen haben, machen, machen mussten.]

GEGEN SEXISMUS HILFT KEIN RASSISMUS!
In Deutschland sind sexualisierte Gewalt und Übergriffe an der Tagesordnung; sowohl im privaten Bereich als auch bei Massenveranstaltungen wie dem Oktoberfest oder Karneval. Die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln erreichten somit kein „neues Maß“, sondern wurden lediglich medial wesentlich stärker thematisiert als andere Übergriffe.
Dies liegt allerdings nicht daran, dass medial plötzlich Sexismuskritik zur Priorität erhoben wurde, sondern dass sich jene Übergriffe dazu eignen, rassistische Diskurse zu bedienen und zu verschärfen. So sprang die Bundesregierung auf den Zug auf und nutzte die Geschehnisse als Legitimation für Asylrechtsverschärfungen. Gleichzeitig trug die weitestgehend rassistische Berichterstattung dazu bei, dass rechtspopulistische Hetze noch stärker in der Mitte der Gesellschaft etabliert wurde. All dies hat wenig mit Antisexismus zu tun, vielmehr geht es darum, sich selbst – „die weiße Gesellschaft“ – als vermeintlich emanzipiert und fortschrittlich gegenüber anderen zu inszenieren. Dies wird außerdem deutlich, wenn stets über „die weiße deutsche Frau“ als Opfer gesprochen wird, dabei jedoch Gewalt an geflüchteten Frauen* verschwiegen wird.

Viele geflüchtete Frauen* sind aus ihrem Land geflohen, um der alltäglichen Gewalt zu entkommen. Die Bundesregierung erklärt ihre Herkunftsländer jedoch häufig als „sicher“, so wird Gewalt gegen Frauen* als Fluchtgrund in der Praxis oft nicht anerkannt und somit verharmlost. Außerdem sind geflüchtete Frauen* auch in Deutschland keinesfalls sicher vor Gewalt, wie beispielsweise die Offenen Briefe der Frauen* aus der Notunterkunft in der Westerwaldstraße in Köln kürzlich zeigten. Doch darüber wird medial keineswegs in der gleichen Manier berichtet wie über die Silvesternacht. Hier zeigt sich wieder, wie eng Sexismus und Rassismus miteinander verknüpft sind. Wir wenden uns gegen die Instrumentalisierung von sexualisierter Gewalt gegen Mädchen* und Frauen* für rassistische, menschenverachtende Hetze. Sexismus darf nicht mit Rassismus bekämpft werden!
Feminismus muss auch heißen, verschiedene Kämpfe zu verbinden und sich solidarisch zu zeigen mit geflüchteten Frauen* Lesben Trans* und ihren Kämpfen!

Wir rufen dazu auf, am 8. März gemeinsam auf die Straße zu gehen, um uns den Raum zu nehmen, der uns schon längst gehören sollte!

HERAUS ZUM 8. MÄRZ – GEGEN SEXISMUS UND RASSISMUS!

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