Redebeitrag der GJ Göttingen auf der Frauen*kampftagsdemo in Göttingen 2014

// 8. März 2014 // Gender, Soziales

DemoFrauenkampftagAn der Demonstration haben sich mehr als 250 Menschen beteiligt! Einen Audiobeitrag zur Demo des Stadtradio Göttingen zum Nachhören findet ihr hier!

Frauen und Wirtschaft ist ein Thema, welches auch medial immer wieder gern aufgegriffen wird. Dann wird sich mokiert über die unzureichende Präsenz von Frauen in Aufsichtsräten, zu wenige Betriebe in der  freien Wirtschaft würden Frauen in Führungspositionen haben. Meist werden dann erschreckende Zahlen genannt, wie dass nur sechs Prozent der Dax-notierten Unternehmen überhaupt eine Frau im Vorstand hätten.  Begriffe wie gläserne Decke oder fehlende Durchsetzungskraft von Frauen werden dann als Gründe benannt. Gesellschaftliche Machtverhältnisse, wie das Patriarchat,  bleiben dabei als Ursache aber in den meisten Analysen außen vor. Auch von strukturellem Sexismus ist in diesem Zusammenhang kaum die Rede.

Als Lösung für das Problem fehlender Frauen in der Wirtschaft wird dann im Sinne des sogenannten Diversity Management immer die Frauenquote ins Spiel gebracht. Dabei vergisst man, dass diese auch nur eine Übergangslösung ist, denn auch eine Quote kann nur die Symptome bekämpfen, nicht aber die Probleme, welche Patriarchat, Sexismus und Kapitalismus heißen. Und das Diversity  Management, das durch die Unterschiedlichkeit in Kleingruppen kreatives Potential steigern soll, verfestigt und stützt die stereotypen Eigenschaftszuordnungen in unserer Gesellschaft nur weiter und ist schon deswegen kein akzeptables Konzept zur Bekämpfung von strukturellem Sexismus.

In der ganzen Diskussion rund um die Frauenquote und Frauen in der Wirtschaft wird auch gern vergessen, dass dies eigentlich ein Elitenproblem ist. Die meisten Frauen, die beschäftigt sind, arbeiten im Niedriglohnsektor oder sind nur halbtags beschäftigt, damit sie sich den Rest des Tages um die Familie, und wenn vorhanden, um die Kinder kümmern können.  So ist es zumindest von der kapitalistischen Verwertungslogik angedacht, die auf einem binären und heteronormativen Geschlechterbild basiert. Die Männer sind die Hauptverdiener und die Frauen arbeiten halbtags und machen dann noch die unbezahlte Reproduktions-Arbeit. Dazu zählen die Hausarbeit, aber auch Pflegetätigkeiten und Beziehungsarbeit. Diese Arbeit wird aber  von den meisten nicht als Arbeit wahrgenommen, beziehungsweise wie selbstverständlich in den Bereich der Frau eingeordnet. Dies geht zurück auf die soziale Konstruktion der Geschlechter. Männern wird die öffentliche Sphäre zugestanden, wo sie arbeiten, Politik machen und Handel treiben, während den Frauen der private Bereich zugeschrieben wird. Frauen seien ja so soziale Wesen, da würde ihnen doch die Hausarbeit, Pflegearbeit und Beziehungsarbeit Spaß machen, da es praktisch ihren natürlichen Bedürfnissen entspräche.  Dies ist sexistische Kackscheiße und um das laut zu sagen, sind wir heute hier. Wir sind gegen die Aufteilung in öffentliche und private Sphäre, was wir wollen ist das ganze Leben!

Ein weiterer Punkt, der bedacht werden muss, wenn wir über Frauen und Reproduktions-Arbeit reden, ist die Verschränkung mit anderen gesellschaftlichen Machtverhältnissen, wie etwa Rassismus. Immer öfter wird die Haushaltsarbeit oder die Pflegetätigkeit an Frauen abgegeben, die nicht-weiß sind und/oder einen sogenannten Migrationshintergrund haben. Diese Beschäftigungsverhältnisse sind oftmals prekär und von Diskriminierung geprägt. Frauen, die eine abgeschlossene Berufsausbildung haben oder einen abgeschlossenen Hochschulabschluss, werden in Deutschland durch die Nichtanerkennung dieser Abschlüsse in die Lage gebracht, dass sie die Reproduktions-Arbeit für andere Frauen trotz besserer Qualifizierung übernehmen müssen.  Es wird nicht versucht, die unbezahlte Arbeit in der Partnerschaft aufzuteilen, sondern die Arbeit wird an andere Frauen abgegeben, die kapitalistische heteronormative Arbeitsaufteilung bleibt somit bestehen.

Dies sind nur einige Gedanken zum Thema Frauen und Reproduktions-Arbeit. Für uns steht fest, dass die ungerechte Arbeitsaufteilung auf der sozialen Konstruktion der Geschlechter beruht und an eine kapitalistische Verwertungslogik anschließt.

Ein geschlechtergerechter Kapitalismus ist aber keine Lösung und kann auch gar nicht existieren! Deswegen fordern wir die Überwindung der kapitalistischen Arbeitsaufteilung, denn wir wollen nichts halbes, sondern wir wollen das Ganze.

Her mit dem Guten Leben. Fight for Feminism!

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