Wohnraum für ALLE! – Demo am 25. Oktober

// 19. Oktober 2014 // Aktionen, Kommunales, Soziales

Für das Recht auf Stadt und bezahlbare Wohnungen!
Gentrifizierung, Verdrängung, Widerstand – Start um 14 Uhr vor dem Universitätspräsidium

Die GRÜNE JUGEND Göttingen ruft zur Teilnahme an dieser Demonstration der Wohnrauminitiative auf!
Wohnraumdemo

Sehr geehrte GöttingerInnen, Studierende und Wohnungsuchende,

mal wieder beginnen an der Universität die Semester, an schwarzen Bretten und auf Internetforen werden Wohnungen gesucht und es gibt wenig Wohnraum. Wenig Wohnraum für wenig Geld, wenig bezahlbare Mehrzimmer-Wohnungen und lange Wartelisten für Wohnheime des Studentenwerkes. Aktuell schlafen Leute in Notunterkünften oder in ihren Autos.

Es wird Zeit für ein bezahlbares Leben in der Stadt einzustehen und sich nicht in Apellen an die Politik zu erschöpfen, sondern Wohnraum zu schaffen. Notunterkünfte, wie sie von den Wohnheimen, die in der Wohnrauminitiative vernetzt sind, selbst organisiert werden, können nicht der Endpunkt in öffentlichen Diskurs um Wohnraum sein. Wohnheimplätze mit Eigenverantwortlichkeit der Bewohner sollten gefördert werden und, sofern nötig, durch die Betroffenen selbst durchgesetzt werden.

Für Göttingen als Universtätsstadt ist dies keine neue Situation, schon in den 1970ern mussten mehr als 300 Studierende in Autos schlafen und fanden kaum ein Quartier. Leerstand führte zu Besetzungen, die zur Zwischennutzung im Rahmen des „Göttinger Modells“ teilweise an das Studentenwerk Göttingen vermietet wurden und heute immer noch als Wohnräume genutzt werden.

Neu ist der Mangel an Wohnraum genauso wenig für Menschen mit weniger Einkommen oder Familien, die von den enormen Preisen in der Innenstadt in weiter außerhalb liegende Wohnviertel verdrängt werden. Die Preise für Wohnungen in Göttingen liegen seit Jahren deutlich oberhalb des Bundesdurchschnitts. 7,50 Euro pro Quadratmeter sind in Göttingen schon normal, in Hamburg liegen die Preise mit 7,52 Euro kaum höher und der Bundesdurchschnitt liegt demgegenüber bei 6,59 Euro pro Quadratmeter. Die städtischen Bauprojekte, als Jointventures mit privaten InvestorInnen hingegen bedienen immer häufiger ein „Premium“-Segment: Am sogenannten „Quartier am Leinebogen“ werden Mieten von 10-11,00 Euro/qm verlangt, im Windausweg enstehen ca. 200 Wohneinheiten, 10 Euro/qm (Warmmiete) im „gehobenen Segment“, denn „dafür gibt es eine große Nachfrage“ (W. Meyer 2009 im GT am 16.3.2009). Und die Statistiken zeigen eine Mietpreissteigerung von 17% in den Jahren 2010 bis 2013, gegenüber dem Bundesdurchschnitt von 13 %, obwohl weder das Einkommen der EiwohnerInnen adäquat steigt noch die Studierenden signifkant mehr Geld zur Verfügung haben. Dass sich die überteuerten Wohnungen noch vermieten lassen, liegt an der großen Nachfrage und so wird alles vermietet: „Der Wohnungsmarkt in Göttingen und Rosdorf ist zur Zeit ein Vermietermarkt“ (Wohnungsgenossenschaft Göttingen 2013, S. 44).

Derweil freut sich die Unversität über hohe Studierendenzahlen und kündigt Verträge mit dem Studentenwerk, um Instituten und neuen Einrichtungen mehr Platz zur Verfügung zu stellen – die Geiststraße 10 wird 2010 entmietet und steht seit Jahren leer. Besetzungen und Begehungen durch Studierende wurden schnellst möglich beendet und so steht das Gebäude leer, 60 Wohnplätze bleiben ungenutzt.

Das Studentenwerk hingegen hat, statt Wohnplätze zu schaffen, Verträge in den letzten Jahren gekündigt oder stillschweigend nicht verlängert, um seine Bilanz aufzupolieren. So der Abriss des Emma Goldmann Hauses 2009, die Aussetzung des Mietvertrages mit der Stadt für die Bühlstraße 28 im Jahr 2012, der Abriss der Theodor-Heuss-Str. 13 und zuletzt der Verkauf der Lohmühle.
Gleichzeitig werden günstige große Wohnhäuser und Wohngemeinschaften in ihrer Freizügigkeit, was interne Verteilung der Wohnheimplätze und Hauskultur angeht, massiv vom Studentenwerk eingeschränkt. Abmahnungen wegen Transparenten an der Hausfassade oder einer Katzenleiter sind keine Seltenheit für die betroffenen Studierenden.

Gerade recht kommt es dem Studentenwerk da, dass auch zunehmend mehr internationale Studierende auf der Suche nach Wohnraum in Göttingen sind. Im Sinne einer vermeintlichen Integration wird – wie unlängst in der Humboldtallee 9 geschehen – argumentiert, lebendige, selbstverwaltete Wohngemeinschaften müssten weichen, um für jene ein Angebot zu schaffen. Nachdem es Universität und Studentenwerk über Jahre verpasst haben, der steigenden Zahl internationaler Studierender mit einer angemessenen Wohnraumpolitik zu begegenen, sollen nun ausgerechnet diejenigen verdrängt werden, die sich in all diesen Jahren für bezahlbaren Wohnraum für alle (!) eingesetzt haben?! Diesen schamlosen Missbrauch der misslichen Lage internationaler Studierender und die Etablierung einer künstlichen Konkurrenz zwischen Studierenden machen wir nicht mit. Der Vereinzelung der Leute in wahllos zusammengestellten Wohnsituationen setzen wir eine integrative, lebendige Wohnkultur entgegen – bei uns ist jedeR willkommen!

Ein Anfang kann es sein mit uns auf die Demonstration am 25.10.2014 zu kommen und sich für bezahlbaren Wohnraum zu engagieren und die Stadt mit Leben zu füllen!

Kommt alle – bunt – laut und entschlossen um 14 Uhr zum Wilhelmsplatz!

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